"Wie soll das geschehen?"
Die jungfräuliche Geburt Jesu - eine sehr unmoderne Seite der Weihnachtsgeschichte

„Wie könnte ich einen Sohn bekommen, wo mich kein Mann berührt hat und ich nicht unkeusch gewesen bin?“ Der Engel antwortete: „Also sprach dein Herr: Das ist mir ein leichtes." Unverkennbar eine Weihnachtsgeschichte; tatsächlich geht es um Maria und die bevorstehende Geburt Jesu. Aber der Text stammt nicht aus dem Neuen Testament, er stammt überhaupt nicht aus einer christlichen Quelle, sondern aus dem Koran, dem heiligen Buch der Muslime. Der Islam lehnt zwar die Lehre von Jesus als dem Sohn Gottes ab, lehrt aber die jungfräuliche Geburt dieses Propheten. Zum Weihnachtsfest ein Blick auf zweitusend Jahre Diskussion um die jungfräuliche Geburt Jesu. > mehr



Himmel und Erde machten zusammen Lärm
Mythen von Anfang und Ende der Welt


Noch bevor die Götter geboren wurden, noch bevor Sonne und Mond für Licht sorgten, erzählt ein mesopotamischer Mythos aus dem 3. Jahrtausend v. Chr., da gab es bereits ein Paar Himmel und Erde. „Herr Himmel war bereit, ganz so wie ein junger Mann“, „Himmel und Erde machten zusammen Lärm“ - eine Umschreibung für Geschlechtsverkehr. So oder so ähnlich haben sich über die Jahrtausende viele Kulturen und Religionen den Ursprung der Welt vorgestellt, immer wieder erzählen die Mythen von einem urzeitlichen Paar „Vater Himmel“ und „Mutter Erde“. Ein reich bebilderter Sammelband, den die Latinistin Martion Gindhart und die Ägyptologin Tanja Pommerening jetzt als Ertrag eines Graduiertenkolleges an der Universität Mainz herausgebracht haben, konzentriert sich auf die Mythologie jener Kulturen, die das Abendland geprägt haben und bis heute prägen: Alter Orient, Ägypten, klassische Antike. > mehr



Holztauben aus dem Kirchengewölbe
Der Heilige Geist und die Dreifaltigkeit in zwei Jahrtausenden Kunstgeschichte


Touristen am Chiemsee, die nach der Besichtigung des „Märchenkini“-Schlosses noch Zeit für den einen oder anderen Abstecher finden, besuchen vielleicht das kleine Dorf Urschalling südlich von Prien. In der Jakobskirche erleben sie eine Überraschung. In einem Gewölbezwickel ist die Heilige Dreifaltigkeit dargestellt, in einer recht ungewöhnlichen Form: drei Gestalten, die nach unten zu einer einzigen verschmelzen. Zwischen Gottvater als einem weißbärtigen Greis und Christus als erwachsenem Mann mit braunem Bart steht ein Jüngling mit weiblichen Formen, offenkundig bezeichnet er den Heiligen Geist. Die christliche Kunst hat sich schwer getan mit der Aufgabe, für die Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit Gottes eine angemessene Darstellung zu finden. > mehr




Wie der Mensch sich in einer fremden Welt heimisch einrichten kann
Leistungen des Mythos in Geschichte und Gegenwart

Im Jahr 1940 brachte der Oberstudiendirektor i. R. und Honorarprofessor an der Universität Tübingen Wilhelm Nestle ein Buch mit dem etwas sperrigen Untertitel „Die Selbstentfaltung des griechischen Denkens von Homer bis auf die Sophistik und Sokrates“ heraus. Der Obertitel dagegen war sehr prägnant formuliert; mit ihm schuf der Verfasser ein geflügeltes Wort: „Vom Mythos zum Logos“. Wer wollte, konnte das altertumswissenschaftliche Buch als Kampfschrift lesen. Zehn Jahre zuvor hatte Alfred Rosenberg seinen „Mythos des 20. Jahrhunderts“ herausgebracht. Jetzt schrieb Nestle: Die Überwindung des mythischen Denkens durch den Logos „war ebenso unumgänglich wie im Leben des einzelnen Menschen das Hinauswachsen über die kindliche Vorstellungswelt, wenn er zum Manne heranreift“. Nestles Buch, schreibt der Hamburger Altphilologe Axel Horstmann in dem neu erschienenen Sammelband über „Arbeit am Mythos“, formulierte „das wohl prägnanteste Credo einer selbstbewussten, wissenschaftlich aufgeklärten Moderne“. > mehr
 



"Gottes Sohn kam in die Welt"
Zweitausend Jahre Kontroversen um die Menschwerdung des Gottessohnes

„Wahrhaftig, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!“, sagt dem Bericht der Evangelien zufolge der römische Hauptmann, nachdem Jesus am Kreuz gestorben ist. „Gottes Sohn“: Bis heute diskutieren Christen über die Frage: Was hat es mit diesem Menschen auf sich, der vor fast zweitausend Jahren gelebt hat und am Kreuz hingerichtet wurde? Aus dem Mund eines Juden wäre die Aussage „Sohn Gottes“ recht eindeutig gewesen. Im Alten Testament wie in seiner Umwelt, von Ägypten bis Mesopotamien, handelte es sich um einen Titel des Königs. Die Vorstellung, zwischen dem König und seinem Gott könnte tatsächlich so etwas wie Verwandtschaft bestehen, müssen die Israeliten jedoch früh abgestreift haben; es blieb der Ehrentitel, der Legitimität signalisieren sollte. An einer Stelle redet Gott den König David mit „mein Sohn“ an. > mehr




Von einer Jungfrau geboren, vom König verfolgt
Aus der Kindheit der Götter und Heroen

Wenn man der Erzählung des Matthäusevangeliums folgt, gehört zur Weihnachtsgeschichte ein Massenmord: König Herodes, in Furcht um seine Herrschaft, ließ alle männlichen Neugeborenen in Bethlehem umbringen, nur durch die Flucht nach Ägypten wurde das Jesuskind davor bewahrt. Dass Bedrohung und Errettung zum Schicksal eines göttlichen Kindes gehörte, muss der Alten Welt sehr plausibel gewesen sein. Und ebenso ist die Religionsgeschichte voll von Halbgöttern, Heroen und bedeutenden Menschen, die von ihrer Mutter auf übernatürliche Weise empfangen wurden. > mehr




Der sterbende Gott
Variationen über das Karfreitagsthema

"O große Not! Gott selbst liegt tot!", dichtete ein holsteinischer Pfarrer im 17. Jahrhundert. Späteren Generationen klang das so anstößig, dass die Kirchengesangbücher den Text gemildert haben ... Ein Rückblick auf die Entwicklung des Karfreitagsthemas, von Dogmenstreitigkeiten im frühen Christentum bis zu Hegels Dialektik, vom ägyptischen Osiris-Mythos bis zu Nietzsches tollem Menschen. > mehr