Dossier
Rund um den Karfreitag

 

"Nach dem Gesetz muss er sterben"
Fragen zum Prozess Jesu

Wenn es vor zweitausend Jahren bereits Gerichtsreporter gegeben hätte ... Oder wenn sich, noch besser, Prozessprotokolle erhalten hätten ... Vielleicht wüssten wir dann Genaueres über jenes Geschehen, das sich irgendwann um 30 nach Christus in Jerusalem ereignet hat: Ein Prediger, der in den Monaten oder Jahren zuvor Galiläa und Judäa durchstreift hatte, kam zum Passahfest nach Jerusalem, wurde von der römischen Besatzungsmacht, offenbar im Einverständnis mit den Behörden des jüdischen Klientelstaates, zum Tode verurteilt und am Kreuz hingerichtet. > mehr



"Die hochheilige Stätte des Todes und der Auferstehung des Erlösers"
Geschichte, Legende, Verehrung - die Grabeskirche in Jerusalem


Es soll um 325 n. Chr. gewesen sein, zwölf Jahre zuvor hatte Kaiser Konstantin das Christentum unter staatlichen Schutz gestellt, da machte sich Konstantins Mutter Helena, die seit langem Christin war, zu einer Pilgerreise ins Heilige Land auf. In Jerusalem suchte sie nach der Stätte, wo einst Jesus gekreuzigt worden war, und kam zu dem Schluss, es müsse dort sein, wo Kaiser Hadrian etwa hundert Jahre nach Jesu Tod einen Tempel der Göttin Venus hatte errichten lassen. Dort waren in früherer Zeit die Hinrichtungen vollzogen worden. Die Kaiserinmutter führte Grabungen durch und fand tatsächlich drei Kreuze. Konstantin kam dem Wunsch seiner Mutter nach und errichtete an dieser Stelle die Grabeskirche. > mehr



Jerusalem liegt in der Lausitz
Kalvarienberge und Kreuzwege - Architektur, Landschaftsgestaltung und Ritual rund um die Passion Christi

Irgendwann Mitte des 15. Jahrhunderts, erzählt die Legende, soll ein gewisser Georg Emmerich, Sohn eines reichen Kaufmanns aus Görlitz, eine Nachbarstochter geschwängert haben. Seine Familie sperrte sich gegen eine Heirat, er musste das Mädchen sitzen lassen. Das wäre mehr als ein halbes Jahrtausend später keine Notiz mehr wert, auch nicht der Umstand, dass Georg 1465 eine Pilgerreise ins Heilige Land unternahm, um seine Sünde abzubüßen. Aber nach seiner Rückkehr soll er jenes Bauprojekt gestiftet haben, das Görlitz bis heute überregional berühmt macht: das „Heilige Grab“, eine Kopie der Stätten in Jerusalem, die Schauplatz von Jesu Sterben und Auferstehen gewesen waren. Andere Quellen berichten, es sei die Witwe Agnete Fingerin gewesen, die 1476 den Plan für dieses „Jerusalem in der Lausitz“ aus dem Heiligen Land nach Görlitz brachte. Wie auch immer - den Baumeistern der Anlage in Görlitz müssen Zeichnungen der Stätten in Jerusalem vorgelegen haben > mehr



Heilige und Betrüger, Künstler und Wahnsinnige
Bis hin zur Selbstkreuzigung - die Religiosität der Schmerzen im christlichen Abendlsnd

Das Turiner Grabtuch ... Es ist nach Jahrzehnten naturwissenschaftlicher Untersuchungen immer noch eines der umstrittensten Objekte der Menschheitsgeschichte. Viele Naturwissenschaftler heute sagen: Das Tuch stammt tatsächlich aus Palästina, aber nicht aus dem 1., sondern aus dem 13. oder 14. Jahrhundert. Aber wie kam, wenn diese Theorie richtig sein sollte, das Bild auf das Tuch? Im hohen Mittelalter war Kreuzigung keine gängige Form der Hinrichtung mehr. Ein Ethnologe hat die Theorie aufgebracht, dass irgendwann um 1300 tatsächlich ein "Gekreuzigter“ in dem Tuch gelegen und einen Abdruck hinterlassen hat, aber kein Hingerichteter, sondern ein frommer Christ, der die Passion des Heilands nachfühlen wollte. Ein Blick auf die Religiosität der Schmerzen seit dem hohen Mittelalter - in den Selbstkreuzigungen, wie sie zur Karwoche von den Philippinen berichtet werden, findet sie heute noch blutigen Ausdruck. > mehr
 
 


Jerusalem liegt in Polen
Ein Tag im Weltkulturerbe von Kalwaria Zebrzydowska

Eigentlich sollte man Kalwaria Zebrzydowska vor Ostern besuchen, zu den großen Passionsspielen an Gründonnerstag und Karfreitag. Aber wir wollen die Architektur dieser berühmten Wallfahrtsstätte in Südpolen, die vor ein paar Jahren von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde, in Ruhe anschauen. Durch eine Stiftung der wohlhabenden Familie Zebzrydowski entstand Anfang des 17. Jahrhunderts in der Hügellandschaft dreißig Kilometer südwestlich von Krakau eine Art polnisches Jerusalem, den originalen Stätten der Passionsgeschichte, wie sie in einem zeitgenössischen illustrierten Reisebericht beschrieben waren, so genau wie möglich nachgebaut  >mehr




Fehlerhaftes Kirchenlied und toller Mensch
Variationen über das Karfreitagsthema

"O große Not! Gott selbst liegt tot!" dichtete der holsteinische Pfarrer Johann Rist 1641 in einem Karfreitagslied. Im 19. Jahrhundert, als sich atheistische Parolen in breite Schichten der Bevölkerung verbreiteten, erschien das den Kirchenoberen allzu anstößig. Der gängige Text in den Gesangbüchern lautet seitdem "Gotts Sohn liegt tot." > mehr




"Ei, eine treffliche Summe ..."
 Die Passionsgeschichte und ihre Grundlagen im Alten Testament

"Judas Iskariot, einer von den Zwölfen, ging zu den Hohenpriestern, um ihn an sie zu verraten. Als sie das hörten, waren sie froh und versprachen, ihm Geld zu geben.“ Über kaum eine andere Frage im Neuen Testament haben Theologen und Historiker so viel spekuliert wie über die Motive, die Judas dahin gebracht haben könnten, Jesus zu verraten. Die Vermutungen reichen von purer Habgier bis zur Enttäuschung eines jüdischen Nationalisten, der einsehen musste, dass sein Herr und Meister keinen Aufstand gegen die römische Besatzungsmacht plante. Albert Schweitzer wunderte sich vor hundert Jahren in seiner "Geschichte der Leben-Jesu-Forschung“, warum kaum jemand die viel näher liegende Frage stellen wollte: Worin bestand eigentlich das Geheimnis, das Judas den Hohenpriestern "verriet“? > mehr




Zwischen Ärgernis und Torheit
Deutungen des Todes Jesu im Neuen Testament

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass sich die Schwierigkeiten christlicher Verkündigung in 2000 Jahren nicht groß verändert haben. Der gekreuzigte Christus sei "den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit", stellte Paulus im 1. Korintherbrief fest. "Kann man sich Gott wirklich als blutrünstiges Ungeheuer vorstellen, das durch den Tod seines eigenen Sohnes besänftigt werden muss?" fragen heutzutage Schüler im Religionsunterricht. Kindlicher formuliert: "Eigentlich find ich es ein bisschen unfair. Ich finde, dass Gott da ziemlich gemein war." > mehr