Dossier
Das heilige Wort

 

Zwischen Reflexion und Reliquienschrein
Theologen und Historiker fragen nach dem Umgang mit "heiligen Texten" in Geschichte und Gegenwart


„Wer hat diese Tiere nach Peru gebracht? Und wenn sie nicht aus einer anderen Gegend stammen, wie geschah es, dass sie sich hier herausbildeten?“ Diese Sätze klingen wie ein Zitat aus Charles Darwins „Ursprung der Arten“; aber sie sind fast drei Jahrhunderte älter. Der spanische Jesuit José de Acosta, der in Peru für seinen Orden arbeitete, war verunsichert; er konnte die Tierwelt des neu entdeckten Kontinents nicht mit der Bibel zusammenbringen. War es denkbar, dass auch die bislang unbekannten Tiere Amerikas in der Arche Noah die Sintflut überlebt hatten? Oder musste man sich vorstellen, dass Gott in der Neuen Welt „eine neue Schöpfung von Tierarten gewirkt“ hatte? Die Entdeckung Amerikas, stellt der Romanist Joachim Küpper von der Freien Universität Berlin fest, gab dem christlichen Abendland den maßgeblichen Anstoß, sein Verhältnis zur Heiligen Schrift neu zu reflektieren und im Ergebnis zu relativieren. > mehr


Der Kontext einer heiligen Schrift
Zum religiösen und kulturellen Umfeld des Korans


Der Islam sei keine eigenständige Religion, sondern bloß eine ketzerische Abart des Christentums, so haben es Jahrhunderte lang christliche Dogmatiker gelehrt. Für gläubige Muslime ist die Antwort auf solche Polemiken einfach: Der Koran enthält das Wort Gottes, die Frage nach „Einflüssen“ stellt sich nicht. Eigentlich nicht: Da Mohammed seine Offenbarung als Wiederherstellung der Religion des Urvaters Abraham verstand, ist der Text des Korans dennoch voll von Anspielungen auf das Alte und das Neue Testament. Ein Forscherteam um die Islamwissenschaftler der Universität Göttingen hat sich der Frage angenommen, wie jüdische und christliche Stoffe in den Koran gelangt sein könnten. > mehr