Bestens angepasst, aber nicht konkurrenzfähig
Forscher versuchen die geistige Welt der Neandertaler zu rekonstruieren

   
Denken wie ein Neandertaler ... Seit sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass die Knochen, die 1856 im Neandertal bei Düsseldorf gefunden wurden, zu einer früheren Menschenform gehören, ist unsere Sprache um eine Redewendung reicher geworden. Ein Mensch und dennoch in unglaublichem Maße „primitiv“ – da vermischt sich die Herablassung des modernen Menschen, der es doch so herrlich weit gebracht hat, mit dem Eingeständnis, dass die Errungenschaften der Zivilisation eben auch als Fesseln empfunden werden. Aber wie waren sie wirklich, die Neandertaler, die vor etwa 30.000 Jahren ausstarben? Und wie haben sie gedacht? Thomas Wynn und Frederick L. Coolidge, ein Anthropologe und ein Psychologe an der Universität von Colorado, haben sich an die Aufgabe gewagt, die geistige Welt der Neandertaler zu rekonstruieren. > mehr



 Menschenopfer und Fernhandel
Eine Kulturgeschichte der Alpen in der Antike

Alter etwa Mitte 40, 1 Meter 60 groß, Schuhgröße 38, 53 Kilogramm schwer. Braune Augen, schwarzes welliges Haar, struppiger Bart. Drahtig gebaut, litt jedoch an Laktoseunverträglichkeit, Peitschenwurmlarven im Darm, Heliobacter pylori im Magen und an Borreliose aufgrund eines Zeckenbisses, außerdem an Altersbeschwerden wie kaputten Bandscheiben, abgenutzten Gelenken, Gallensteinen, auch die Zähne müssen ihm Schmerzen bereitet haben. Eine genetische Veranlagung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen begann, seine Arterien zu verstopfen. Nicht weniger als 61 Tätowierungen schmückten seine Haut. Es wird kaum einen anderen Menschen der Vorzeit geben, den die Pathologen im Nachhinein so gründlich „durchgecheckt“ haben wie „Ötzi“, den Mann aus dem Südtiroler Eis, dessen Mumie 1991 ans Tageslicht kamen. > mehr



Elf Zentimenter bedingungsloser Naturalismus
Vor 100 Jahren wurde die Venus von Willendorf gefunden


Nein, auf eine Karriere als Pin-up-Girl heutzutage hätte die Dame keine Aussichten, zu wenig entspricht ihre Korpulenz dem gängigen Schönheitsideal. Dabei hat sich ihr Schöpfer damals, vor etwa 27.000 Jahren, doch alle Mühe gegeben, mit Becken und Brust jene Merkmale breit hervorzuheben, auf die es ihm ankam. Vielleicht auch sexuell ankam? Wir können es nicht wissen, wir haben keine Quellen, die darüber Auskunft geben würden. Es wird ein Quentchen von Ironie, jedenfalls von Verwunderung über soviel kulturelle Relativität mit dabei gewesen sein, als die Prähistoriker diese Gruppe von kleinen Frauenfiguren aus der Steinzeit "Venusstatuetten" benannten. 1894 waren in einer Höhle im südwestfranzösischen Aquitanien die ersten dieser Figürchen gefunden worden, am 7. August 1908 kam beim Bau der Donauuferbahn in der Wachau eine weitere "Venus" ans Licht: elf Zentimeter hoch, mit vollen Brüsten, breitem Gesäß und ausgeprägtem Schamhügel, auf dem Kopf so etwas wie ein Haarnetz. > mehr