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01.07.2008 - AUSZEICHNUNG

Von Hexen und Müllern

Prof. Carlo Ginzburg

(jtu) Der Historiker Carlo Ginzburg erhält den mit 60.000 EURO dotierten Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung. Carlo Ginzburg ist einer der international herausragenden Historiker unserer Zeit. Seine philologisch geschulten Untersuchungen sind vor allem dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit gewidmet, reichen aber bis in die Gegenwart hinein. Als Mitbegründer der Microstoria, der Mikrogeschichte, gelingt es ihm, Ideen, Mentalitäten oder kulturelle Muster durch die intensive Analyse einer Person, eines Ereignisses oder eines Ortes zu erhellen.

Ob es um das Weltbild eines ketzerischen Müllers um 1600 geht, das Ginzburg aus Inquisitionsakten rekonstruiert, um die Interpretation von Picassos "Guernica" oder um erkenntnistheoretische Fragen der historischen Perspektivik: In seinem in mehr als fünfzehn Sprachen übersetzten Werk - bisher unter anderem mit dem Premio Salento, dem Premio Viareggio sowie dem Aby-M.-Warburg-Preis der Stadt Hamburg ausgezeichnet - erforscht er mit geradezu detektivischer Akribie die Quellen, Spuren und Bilder der Geschichte.

Nach Stationen in Rom, Bologna und Lecce war Ginzburg von 1988-2006 Franklin D. Murphy Professor of Italian Renaissance Studies an der University of California (UCLA). Seit 2006 ist Ginzburg Professor für Europäische Kulturgeschichte an der Scuola Normale Superiore in Pisa.

Unter Ginzburgs Publikationen sind vor allem "Hexensabbat. Entzifferung einer nächtlichen Geschichte" und "Der Käse und die Würmer. Die Welt eines Müllers um 1600" einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden. Mit dem Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung werden Wissenschaftler für ihr bisheriges Gesamtschaffen ausgezeichnet, deren grundlegende Erkenntnisse das eigene Fachgebiet nachhaltig geprägt haben und von denen auch in der Zukunft weitere Spitzenleistungen erwartet werden können.


Mehr im Internet:
Alexander-von-Humboldt-Stiftung
Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin
Carlo Ginzburg - Wikipedia



 

 

 

 

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