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04.02.2009 - ÄGYPTOLOGIE

Kult um den Krokodilsgott

(jtu) Ägyptische Tempel waren nicht nur Kultstätten, sondern auch florierende Wirtschaftsunternehmen. Was an den heiligen Orten ablief? Das erforscht der Ägyptologe Martin Stadler von der Universität Würzburg. Für sein Projekt hat er 300.000 Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligt bekommen.
Mitten in der Wüste, nahe bei der Oase Fayum, südwestlich von Kairo: Dort liegen die Überreste des Tempels Dime, für den sich Stadler interessiert. Der Tempel war in den Jahrhunderten um Christi Geburt dem Soknopaios geweiht, einem Gott mir Krokodilskörper und Falkenkopf. Die Bewohner von Fayum verehrten ihn als Manifestation des Sonnengottes, als Gott der Schöpfung. Die Priester durften den Tempel nicht einfach so betreten. Sie hatten bestimmte Wege einzuhalten und mussten an vorgeschriebenen Stellen Sprüche sagen. Darin beteuerten sie zum Beispiel, in guter Absicht zu kommen - denn der Gott sollte das Eindringen in sein Heiligtum nicht als Aggression auffassen.

Ziel des Weges war immer das Allerheiligste des Tempels. In diesem Raum befand sich ein Schrein mit einem Kultbild des Gottes. "Das war eine meist etwa 50 Zentimeter große Statue, und die Priester hatten sie jeden Tag aufs Neue zu versorgen", erklärt Stadler. Weihrauch wurde verbrannt, der Schrein geöffnet. Die Priester salbten dann die Statue, versahen sie mit neuer Kleidung und reichten ihr Opfergaben. Zu all diesen Tätigkeiten hatten sie Ritualsprüche aufzusagen.

Wie das Ritual ablief, welche Worte die Priester sprechen mussten: Das erfährt Stadler aus Papyri, die aus dem Tempel von Dime stammen. Beschrieben sind die Papyrus-Fragmente mit demotischer Schrift. Die Entzifferung dieser Schrift ist selbst für den Experten eine Herausforderung: "Sie ist wahnsinnig schwierig, weil sie vom normalen Demotischen abweicht. Das ist bei religiösen Texten häufig der Fall und ganz besonders noch einmal bei den Papyri aus Dime", so Stadler. Denn die Schreiber dieses Ortes hatten sich einige Eigenheiten angewöhnt. Noch kniffliger wird die Erforschung der Papyri, weil die antiken Dokumente teils stark zerlöchert sind. "Das weist auf einen häufigen Gebrauch der Papyrusrolle hin. Die Priester hatten sie beim Ritual im Tempel dabei und lasen die Texte ab."

Nicht nur um Religiöses drehen sich die Texte aus Dime. Sie geben auch Aufschluss über das Leben im Umfeld des Tempels. "Der Kult musste finanziert werden. Weihrauch war teuer, die Priester mussten von etwas leben, das Personal in den Tempelwerkstätten war zu bezahlen", sagt Martin Stadler. Kurzum: Der Tempel war auch ein Wirtschaftsunternehmen - mit Verwaltung und Buchhaltung, mit Ländereien, Viehherden und Wollproduktionsstätten. In der römischen Zeit von 300 vor bis 250 nach Christus wurde der Tempel auch besteuert. "Dime war in der höchsten der damals drei Steuerklassen", sagt Stadler, "daher wissen wir, dass er florierte und von großer Bedeutung war."


Mehr im Internet:
Universität Würzburg, Institut für Ägyptologie
Dime - Wikipedia


 

 

 

 

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