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14.02.2009 - ANTHROPOLOGIE

Genom rekonstruiert

Bild: scienzz

(kso) Anthropologen um Svante Pääbo vom Leipziger Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie haben eine erste Version des Neandertaler-Erbguts vorgelegt. Sie extrahierten mehr als eine Milliarde DNA-Fragmente aus den Knochen von drei Fossilien und konnten so das Genom unseres ausgestorbenen Verwandten, des Neandertalers, zu 60 Prozent rekonstruieren. Nun wollen sie das Erbgut mit dem des Menschen vergleichen. Die Neandertaler waren die nächsten Verwandten der heutigen Menschen. Sie lebten in Europa und Teilen von Asien, bevor sie vor etwa 30.000 Jahren ausstarben.

Die Neandertaler-Genomsequenz wird nach Angaben der Wissenschaftler auch dazu beitragen, die evolutionäre Beziehung von Menschen und Neandertalern zu klären. So wird erwartet, dass die Forschungsergebnisse die genetischen Veränderungen erklären helfen, die den heutigen Menschen in die Lage versetzten, sich vor etwa 100.000 Jahren von Afrika ausgehend über die gesamte Welt zu verbreiten. "Besonders interessant beim Genomvergleich von Mensch, Neandertaler und Schimpanse sind die genetischen Anlagen für das Sprachvermögen und die Gehirnentwicklung", sagte Pääbo.

Die Wissenschaftler hatten Knochenproben von drei etwa 38.000 Jahre alten Neandertaler-Fossilien aus der Vindija-Höhle in Kroatien untersucht. Dabei mussten sie einerseits penibel sicherstellen, dass die Proben nicht mit menschlichem Erbgut, etwa mit Hautschuppen, verunreinigt wurden. Andererseits gelang es ihnen, die Neandertaler-DNA vom Erbgut von Bakterien, die über die Jahrtausende in die Knochen vorgedrungen waren, zu trennen. Ein halbes Gramm Knochenmaterial reichte den Forschern für die Komplettanalyse.

Vor rund 30.000 Jahren starben die Neandertaler als Seitenlinie in der Entwicklung des Menschen aus. Die Ursachen liegen noch weitgehend im Dunkeln. Die Forscher wollen im Genom von Neandertaler und Menschen eine Antwort auf die Frage finden, was die unterschiedlichen Entwicklung bewirkt haben könnte. Sie fangen nicht bei Null an. Erste Ergebnisse von Erbgutanalysen liegen bereits vor, auch wenn die Ergebnisse nicht immer eindeutig sind. So haben die Forscher bereits Genorte für die Sprachfähigkeit und für die Gehirnentwicklung untersucht.

Pääbo erklärte, mit dem Vorliegen des Neandertaler-Genoms könne man sich nun auch der Frage näher widmen, ob es zwischen den Vorfahren des heutigen Menschen und den Neandertalern einen Austausch von Erbgut gegeben hat - und ob es noch heute im Menschen genetische Spuren der Neandertaler gebe. Zwar wurden einige Hinweise dafür gefunden, diese sind jedoch umstritten.

Pääbo vermutet, dass Neandertaler-Gene - wenn überhaupt - nur in äußerst geringem Umfang beim Menschen zu finden sind. Vielmehr gelte es umgekehrt zu erforschen, ob im Neandertaler genetische Hinterlassenschaften der frühen Menschen zu finden sind. Man werde jedoch vermutlich niemals erfahren, ob es soziale Kontakte zwischen den Neandertalern und den Vorfahren der Menschen gegeben habe. Ob es etwa zu Zusammenarbeit gekommen sei, werde man mit dem jetzt gefundenen Neandertaler-Genom nicht beantworten können. Dies müssten andere Zweige der Wissenschaft erforschen, etwa die Archäologie.


Mehr im Internet:
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie
Rotes Haar und Sommersprossen, scienzz 26.10.2007
Neandertaler wird entschlüsselt, scienzz 21.07.2006
Neandertaler erhält Gesicht, scienzz 16.03.2006
Als die Natur ihre Geschichte erhielt, scienzz 14.08.2006
Dossier: Charles Darwin und der Streit um die Evolutionstheorie


 

 

 

 

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