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09.09.2009 - PHYSIK

Moderne Strahlentherapie

Bild 1: Pizza-Kegel-Target - in Anlehnung
an die Form einer Pizza so genannt - mit
Laserstrahl (rot) von links. Bild 2: In der
Röntgenaufnahme ist das tiefe Eindringen
des Laserstrahls in die Kegelspitze gut
zu erkennen - Bilder: FZD

(kso) Noch nie konnten Protonen mit einem Laser auf so hohe Energien beschleunigt werden, wie es jetzt einem internationalen Physikerteam gelungen ist, zu dem auch Wissenschaftler des Forschungszentrums Dresden-Rossendorf (FZD) gehören. Intensives Laserlicht, das auf Materie trifft, ist in der Lage, Teilchen auf mikroskopisch kleinen Strecken auf Energien zu beschleunigen, die sonst nur mit großen Beschleunigeranlagen möglich sind. Weltweit erforschen gegenwärtig Wissenschsftler das Prinzip der Laser-Teilchenbeschleunigung, um damit Partikelstrahlung, z.B. für den zukünftigen Einsatz in der Krebsbehandlung zu erzeugen. Daher gilt die Laser-Teilchenbeschleunigung als ein aufstrebendes Gebiet der Physik, von dem in Zukunft erhebliche Fortschritte für die moderne Strahlentherapie bei Krebs erwartet werden. Strahlung in diesem Energiebereich sind zum Beispiel nötig, um Augenkrebs zu behandeln.

Thomas Cowan, Direktor des Instituts für Strahlenphysik am FZD, ist einer der ersten Wissenschaftler, der Untersuchungen zur Laserbeschleunigung von Protonen durchführte. Die aktuellen Rekordmessungen sind das Ergebnis von Experimenten der Doktorandin Sandrine Gaillard, die von Cowan betreut wird. Sie entstanden gemeinsam mit Wissenschaftlern des FZD, des Sandia National Laboratory, der University of Nevada, Reno, sowie der University of Missouri, Columbia, am Los Alamos National Laboratory in New Mexico, USA. Es wurden Strahlungsenergien von ca. 67 Megaelektronvolt (MeV) erzielt. 1 Elektronvolt ist die Bewegungsenergie, die ein Teilchen erhält, wenn es mit einer Spannung von 1 Volt beschleunigt wird.

Der neue Weltrekord in der Laser-Teilchenbeschleunigung ist wesentlich von speziell geformten Targets, also Zieloberflächen, abhängig. Die Wissenschaftler beschossen mit ultrakurzen Laserpulsen von rund 600 Femtosekunden (1 Femtosekunde = 1 Billiardstel Sekunde) und ca. 80 Joule dünne Folien, aus denen kegelartige Strukturen herausstülpen, deren Spitze wiederum mit einer hauchdünnen Folie bedeckt ist. Die Oberflächen wurden nanotechnologisch verändert und von der Firma Nanolabz hergestellt.

Wenn das intensive Laserlicht auf die Innenseiten dieser ambossartigen Mikrostrukturen trifft, treten Elektronen aus dem Material aus. Im Gegensatz zu glatten Oberflächen wirken die Mikrostrukturen wie eine Elektronenfalle und schließen diese ein. In dem dabei erzeugten elektrischen Feld können die Protonen auf höhere Energien als bisher möglich beschleunigt werden. Die Physiker setzten Röntgenstrahlung ein, um die Wechselwirkungen zwischen dem Laserstrahl und den Mikrostrukturen aufzuklären und abzubilden. Genauere Untersuchungen stehen noch aus, aber Computersimulationen, durchgeführt am FZD, beschreiben die neuen Daten bereits gut und ermöglichen damit tiefere theoretische Einblicke in die Prozesse. Als nächstes wollen die Forscher die Dichte des Protonenstrahls messen - neben der Energie eine wesentliche Voraussetzung für medizinische Anwendungen.


Mehr im Internet:
Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD)
Prof. Thomas Cowan, Direktor Institut für Strahlenphysik, FZD
Krebsforschung am FZD
Laser-Teilchenbeschleunigung


 

 

 

 

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