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11.09.2009 - ENERGIE

"Hywind" geht in Betrieb

Klaus Oberzig

"Hywind" vor Norwegen
Bild: StatoilHydro

Wie der norwegische Ölkonzern StatoilHydro bekannt gab, ist das weltweit erste schwimmende Windrad "Hywind" vor Norwegens Küste eingeweiht worden. Im Gegensatz zu fest auf dem Meeresboden verankerten Windrädern konventioneller Offshore-Anlagen kann "Hywind" seinen Standort wechseln und auch in Gegenden zum Einsatz kommen, wo sie Fischer oder Vögel nicht behindern. Der norwegische Ölminister Terje Riis-Johansen nahm "Hywind" zehn Kilometer vor der Insel Karmoey, nordwestlichen der Stadt Stavanger, in Betrieb, wo auch das unterseeische Stromkabel an Land kommt. StatoilHydro mit seiner großen Erfahrung in Sachen Bohrinseln war verantwortlich für den Bau des Unterwasserteils, während Siemens den Mast und die Turbine lieferte. Schwimmende Windräder können nach Unternehmensangaben bei Wassertiefen von 120 bis zu 700 Metern installiert werden.

Die "Hywind" ist nach dem so genannten "Spar Buoy" Konzept gebaut. Sie ist ein unterseeischer Schwimmkörper aus Stahl und Beton mit 8,4 Metern Durchmesser, der mit Ballasttanks ausgestattet ist, die den Schwerpunkt damit weit unterhalb der Wasseroberfläche halten können. Damit wird verhindert, dass der Überwasserteil der "Hywind" mit seiner 138 Tonnen schwere Turbine bei rauher See zu sehr hin- und herschaukelt. Die von Siemens gelieferte Turbine mit einer Leistung von 2,3 MW befindet sich 65 Meter über dem Wasser und wird von einem Dreiblatt-Rotor mit 82,4 Metern Durchmesser angetrieben. Die Anlage ist mit drei flexiblen Seilen am Meeresboden befestigt. StatoilHydro will das Windrad zunächst zwei Jahre lang testen, bevor es das Projekt weiter vorantreibt. Bevor das 400 Millionen Norwegische Kronen teure Projekt gebaut wurde, waren umfangreiche Berechnungen und Modellversuche in einer Wellenanlage vorausgegangen. 

Die schwimmenden Windkraftanlagen sind konzipiert für den Betrieb auf offener See. Dort weht der Wind stetiger und stärker als in Küstennähe. Nach Berechnungen des US-amerikanischen National Renewable Energy Laboratory ist allein das Windpotenzial innerhalb von 50 Seemeilen vor der US-Küste größer als die derzeit installierte elektrische Leistung aller US-Kraftwerke – das wären mehr als 900 GW. Windparks auf See, so genannte Offshore-Anlagen, existieren zwar bereits seit fünfzehn Jahren. Diese Anlagen stehen jedoch ausnahmslos nahe der Küste, da nur im flachen Gewässer eine Verankerung im Boden möglich ist.

Der Ölkonzern StatoilHydro und die Norwegische Regierung wollen das Windpotenzial der Nordsee nutzen, um in Kombination mit der Wasserkraft des Landes, elektrische Energie für den Export nach Europa zu produzieren. Dafür sollen parallel zum Aufbau der schwimmenden Windkraftanlagen Wasserkraftwerke in Pumpspeicherkraftwerke umgebaut werden, die in Kombination mit der Windenergie flexible Leistung kostengünstig erbringen können.

Pumpspeicherkraftwerke dienen normalerweise der Speicherung von elektrischer Energie durch Umwandlung in potentielle Energie des Wassers. Sie sind also kein Kraftwerk im herkömmlichen Sinn, da sie keinen Strom erzeugen, sondern, im Gegenteil, Strom wegen der mit der Zwischenspeicherung verbundenen Wirkungsverluste verbrauchen. Aber ihre Fähigkeit, sowohl Energie aufzunehmen, als auch abgeben zu können, spielt bei der Regelung der großen Stromnetze eine wichtige Rolle. Die norwegischen Pläne sehen nun vor, die Schwankungen unterliegende Windenergie von hoher See so mit den Pumpspeicherkraftwerken zu kombinieren, dass sie nicht nur exakt dem Verbrauch angepasst werden kann, sondern auf dem europäischen Strommarkt zu billigen Preisen angeboten werden kann. Während die deutschen Energiekonzerne von "Desertec" in der Saharah träumen, machen die Norweger Nägle mit Köpfen in Sachen erneuerbare Energien.


Mehr im Internet:
StatoilHydro
Energielieferanten auf hoher See
Norwegen kündigt ambitionierte Pläne für Windkraftwerke an, EurActiv 03.02.2009

 

 

 

 

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