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24.09.2009 - WEINBAU

Ohne Modergeruch

(jtu) Forschern der Technischen Universität München (TUM) ist es anhand biomolekularer Detektivarbeit gelungen, neue Details über den Erbgang von Weinreben aufzudecken. Die Ergebnisse könnten zukünftige Züchtungsprozesse verbessern und beschleunigen. Mischzüchtungen sind in der Geschichte des Weinbaus keine Seltenheit. Oft waren sie die Reaktion auf klimatische Veränderungen oder Krankheiten wie die Weinpest im 18. Jahrhundert. Allerdings wurde der daraus gekelterte Wein oft geschmacklich als so minderwertig beurteilt, dass die Winzer ihn nicht mit traditionellen Weinen höherer Qualität mischen durften.

Die EU handhabt das heute ähnlich - weil Rebsorten aus der Neuen Welt mit einem modrigen Nebengeschmack assoziiert werden, prüft sie Rotweine vor dem Verkauf auf ihre Sortenzusammensetzung. Dazu wird der rote Weinfarbstoff unter die Lupe genommen: Rote europäische Rebsorten produzieren aufgrund einer speziellen Genmutation nur Farbstoffe mit einem angehängten Zuckermolekül, vor allem den Farbstoff Oenin (chemisch: Malvidin 3-O-Glucosid). Andere Rebsorten und Mischformen aus Trauben der Alten und Neuen Welt beinhalten jedoch auch Farbstoffe mit zwei angehängten Zuckern, zum Beispiel Malvin (chemisch: Malvidin 3,5-Di-O-Glucosid).

Die EU-Prüfer gingen bisher davon aus, dass die unerwünschten "amerikanischen" Geschmackskomponenten immer zusammen mit dem Farbstoff Malvin vererbt werden. Genau das konnte Prof. Wilfried Schwab vom Fachgebiet Biomolekulare Lebensmitteltechnologie der TU München mit seiner Forschung widerlegen. Seine These: Die Art des roten Weinfarbstoffs und der Modergeschmack hängen auf molekularer Ebene nicht zwingend zusammen - und somit ist der bestehende Qualitätstest für Wein nicht absolut zuverlässig. Um die fehlenden Details der Familiengeschichte von Rotweintrauben herauszukitzeln, analysierte Schwabs Team zusammen mit Kollegen vom Julius Kühn-Institut für Rebenzüchtung in Siebeldingen/Pfalz ihre Erbinformation und Biochemie detektivisch genau: Die Forscher schrieben bestimmte Abschnitte des Gen-Codes um und bestimmten die 3D-Struktur der entstandenen Proteine.

"Letztlich wollten wir europäische Rebsorten testweise wieder dazu bringen, Malvin zu produzieren", so Schwab. So kam das Team den genetischen Grundlagen des Phänomens tatsächlich auf die Spur: Es konnte nachweisen, dass keine einfache, sondern erst eine doppelte Genmutation im Vergleich zum Wildtyp bei der europäischen Weinrebe für die Oenin-Produktion sorgt. Außerdem deckten die TUM-Forscher auf, dass das Weinfarbstoff-Gen auf demselben Chromosom liegt wie das Gen, das für das Moderaroma nordamerikanischer Sorten verantwortlich ist.

"Anhand unserer Ergebnisse können Züchter in Zukunft den Modergeschmack ausschalten, ohne auf die Vorteile von US-Reben zu verzichten", erläutert TUM-Wissenschaftler Schwab. "Anstatt wie bisher nach dem nur scheinbar immer mit Fehlgeschmack assoziierten Malvin zu suchen, könnten die Prüfer sensorische Unreinheiten besser direkt über das verantwortliche Gen aufspüren."


Mehr im Internet:
TU München, Fachgebiet Biomolekular Lebensmitteltechnologie
Neue Rebenkrankheit greift um sich, scienzz 11.06.2004

 

 

 

 

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