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04.10.2004 - LEBEN IM ALL

Milchstraßen-Zentrum sterilisiert sich selbst

Carsten Meinke

Im Zentrum der Milchstraße wird das Leben niemals eine Chance haben. Jüngste Messungen amerikanischer Astronomen sprechen für die Annahme, dass es im Herzen unserer Galaxie etwa alle 20 Millionen Jahre zu einem wahren Feuerwerk der Sternentstehung kommt. Wenn diese Sterne nach einem kurzen Leben als Supernovae vergehen, sterilisiert die intensive Strahlung die Umgebung.

Der nächste "Starburst" dürfte in etwa zehn Millionen Jahren erfol-gen, glauben Anthony Stark vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics und seine Kollegen. Die Gruppe stützt sich auf ihre Beobachtungen mit dem AST/RO-Instrument (Antarctic Submillimeter Telescope and Remote Observatory). Nahe der antarktischen For-schungsstation Amundsen-Scott und damit in extrem trockener Luft errichtet, kann das Instrument Wellenlängen erfassen, die andern-orts vom Wasserdampf absorbiert werden.

Bereits früher war entdeckt worden, das sich Gas in einem gut 450 Lichtjahre weiten Ring um das Milchstraßenzentrum und das darin lauernde Schwarze Loch ansammelt. Die Forscher fanden nun, dass die Gasdichte in dem Ring etwa 3.200 Teilchen pro Kubikzentimeter beträgt. Damit liege die Dichte knapp unter einem kritischen Wert, ab dem der Gasring bei kleinsten Störungen kollabieren könne, er-läutert Stark. In diesem Fall sähe sich das Schwarze Loch plötzlich mit einer Flut von über 30 Millionen Sonnenmassen Gas konfrontiert. Damit sei es hoffnungslos überfordert.

"Es ist so, als wollte man einen Hundefressnapf mit einem Feuer-wehrschlauch füllen", so Stark. Der Großteil des verdichteten Gases entgehe vorübergehend der Schwerkraftfalle und bilde stattdessen das Ausgangsmaterial für die Entstehung zahlreicher neuer Sterne. Die meisten davon seien sehr massereich und daher kurzlebig. Nach wenigen Millionen Jahren explodierten sie in rascher Folge als Super-novae und sterilisierten so die gesamte Region. Abhängig davon, wie schnell ein neuer Gasring wachse, wiederhole sich dieser Zyklus un-gefähr alle 20 Millionen Jahre.


Mehr im Internet:
Die Milchstraße  
Panorama der Milchstraße 
AST/RO  

 

 

 

 

 

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