Titan ähnelt der Erde in vielerlei Beziehung und ist doch völlig anders. Zu diesem Schluss kommen die an der Huygens-Mission beteiligten Wissenschaftler nach einer ersten Durchsicht der von der Sonde gesammelten Daten. Auf dem Saturnmond laufen demnach geologische und hydrologische Prozesse ab, wie sie auch auf der Erde allgegenwärtig sind. Fernab der Sonne, spielt dabei allerdings Methan die Hauptrolle, während Wasser eher als Gestein auftritt.
Huygens war am 14. Januar in die dichte Atmosphäre des größten Saturnmonds eingetreten und zweieinhalb Stunden später auf einer scheinbar elastischen Oberfläche gelandet. Noch eine Stunde später sendete der Lander Daten seiner sechs Messinstrumente an die Saturnsonde Cassini. Einen Überblick über die Daten präsentierten die beteiligten Forscher heute auf einer Pressekonferenz in Paris.
"Geologische Belege für Niederschläge, Erosion, mechanischen Abrieb und andere Fließprozesse zeigen, dass die Titan formenden, physikalischen Prozesse denen ähneln, die auch die Erde gestalten", so Martin Tomasko von der University of Arizona in Tucson, der für das Descent Imager and Spectral Radiometer (DISR) zuständige Projektleiter. Die von dem Instrument aufgenommenen Bilder zeigen Netzwerke von Abflussrinnen, die aus hellen, höher gelegenem Terrain in dunkle Tiefebenen ziehen. Die Kanäle vereinen sich zu Flüssen, die wiederum in Seen samt Inseln und Untiefen münden.
Kanäle wie Seen scheinen derzeit ausgetrocknet, vermutlich hat es aber noch vor relativ kurzer Zeit geregnet. Huygens Daten bekräftigen die Vermutung, dass bei Temperaturen von minus 170 Grad Celsius der einfache Kohlenwasserstoff Methan (CH4) die Rolle des Wassers auf der Erde übernimmt. Letzteres findet sich ebenfalls in den Flussbetten, allerdings in steinharter Form: Die Spektren mehrerer "Kiesel" zeigen, dass sie überwiegend aus Wassereis bestehen. Argon-40-Analysen lassen zudem vermuten, dass das Wasser - zusammen mit Ammoniak - bei Vulkanausbrüchen freigesetzt wurde.
Den Messungen des Surface Science Package (SSP) zufolge, ist Huygens Landeregion von einer dünnen Kruste überzogen, unterhalb derer der Boden die Konsistenz lockeren Sandes hat. Aufgelockert wurde der Untergrund möglicherweise durch Methanregen bzw. zur Oberfläche steigende Flüssigkeit. Zumindest teilweise besteht er aus organischen Verbindungen, die aus der Atmosphäre stammen und vom abfließendem Regen in die dunklen Tiefebenen geschwemmt worden sein könnten.
Sowohl das SSP als auch das Gas Chromatograph and Mass Spectrometer (GCMS) registrierten kleine Methanausbrüche aus dem Boden, ausgelöst durch Huygens' Wärme. Laut Jean-Pierre Lebreton, Chefwissenschaftler und Projektmanager der Huygens-Mission bei der ESA, kann mit weiteren erstaunlichen Einblicken in die exotische Welt gerechnet werden. "Dies ist erst der Anfang. Diese Daten werden die Wissenschaftler noch viele, viele Jahre beschäftigen."
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