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23.04.2005 - ZELLFORSCHUNG

Prionen sind ansteckend

Carsten Meinke / JKM

Nicht nur Mikroorganismen, auch abnorm gefaltete Proteine können ansteckende Krankheiten hervorrufen. Den beinahe endgültigen Beleg für diese Prionen-Hypothese präsentiert eine internationale Forschergruppe im Fachblatt "Cell". Im Labor vermehrte Prionen riefen bei ihren Versuchstieren die gleiche Gehirnerkrankung hervor, wie sie nach direkter Übertragung auftrat.

Laut der Prionen-Hypothese können abnorm gefaltete Prionproteine normalen Vettern ihre Struktur aufzwängen und so einen fatalen Schneeballeffekt bewirken. Zu den resultierenden Krankheiten, den transmissiblen spongiformen Encephalopathien (TSE), werden unter anderem die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit gezählt sowie Kuru, Scrapie und die als "Rinderwahnsinn" bekannte BSE. Mikroben bzw. Erbgut sollen keine kausale Rolle spielen. "Die Belege für die Prionen-Hypothese waren stark, jedoch fehlte der endgültige Beweis", erläutert Claudio Soto von der University of Texas in Galveston.

Bislang war es nicht gelungen, Prionen im Labor in größeren Mengen und in Reinform herzustellen und dann - losgelöst von dem ursprünglich erkrankten Tier - ihre Wirkung zu testen. Soto und seine Kollegen gaben nun Hirnextrakte TSE-kranker Hamster zu Hirnextrakten nicht erkrankter Tiere und setzten das Gemisch intensiven Schallwellen aus. Nach einiger Zeit gaben sie einen Teil des Gemischs erneut zu Gehirnextrakt nicht erkrankter Tiere und wiederholten die Prozedur. Tatsächlich wurde normal gefaltetes Prionprotein dabei in die abnorm gefaltete Variante überführt.

Die Forscher wiederholten diese Schritte immer wieder, bis das Gemisch aufgrund der immer stärkeren Verdünnung kein Prion-Molekül des erkrankten Tieres hätte enthalten dürfen. Dann injizierten sie das Material nicht erkrankten Hamstern. Binnen vier Monaten erkrankten diese an einer TSE, die sich nicht von der Erkrankung der Ausgangstiere unterscheiden ließ. Die Resultate seien beeindruckend, kommentieren Wen-Quan Zou und Pierluigi Gambetti von der Case Western Reserve University in Cleveland, Ohio, in der gleichen Ausgabe der Zeitschrift. Gleichwohl sei "nicht auszuschließen, dass neben den Prionen auch RNA oder andere Moleküle aus dem ursprünglichen Hirnextrakt vermehrt wurden." Den definitiven Beleg könnten wohl erst Versuche mit künstlich erzeugten Prionen erbringen.

 

Mehr im Internet:
Department of Neurology, Uni Texas 
Weder Virus noch Bakterium   
Krankheitserreger  


 

 

 

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