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23.06.2005 - NEUROSCIENCE

Hirn adoptiert fremde Körperteile

Carsten Meinke / JKM

Obwohl das Original angewachsen ist, lässt sich das Gehirn erstaunlich leicht eine falsche Hand unterjubeln. Darauf deuten Experimente britischer Neurowissenschaftler hin, berichtet das Magazin "New Scientist" in seiner neuen Ausgabe. Offenbar vergleicht das Hirn unterschiedliche Sinneseindrücke und entscheidet sich für die am ehesten passende Deutung - selbst wenn das bedeutet, eine Gummihand als die eigene anzusehen.

Über entsprechende Versuche hatten Henrik Ehrsson vom Institute of Neurology in London bereits im letzten Jahr berichtet. Dabei saßen die Probanden an einem Tisch, eine Hand unter der Tischplatte platziert, während eine entsprechende Gummihand gut sichtbar auf der Tischplatte lag. Berührten die Forscher die echte und die falsche Hand gleichzeitig mit einem Pinsel, drängte sich den Teilnehmern das merkwürdige Gefühl auf, die Gummihand sei die ihre.

Da Haut und Augen konsistente Informationen lieferten, entschied sich das Gehirn - wider besseren Wissens - für die entsprechende Interpretation der Umwelt, hatten Ehrsson und Kollegen damals gefolgert. Andere Forscher wandten ein, um die eigene Hand zu erkennen, brauche es keine "äußeren" Sinne. Möglicherweise werde lediglich der Sehsinn stärker gewichtet als andere Sinne.

Bei dem neuen Experiment der Londoner Forscher spielte der Sehsinn dagegen keine Rolle. Für die Teilnehmer nicht sichtbar, berührte ihr Zeigefinger einen Fingerknöchel aus Gummi. Gleichzeitig berührten die Forscher den echten Fingerknöchel der anderen Hand. Binnen weniger Sekunden waren die Teilnehmer überzeugt, ihr Finger berühre die eigene Hand. Darum gebeten, auf diese Hand zu zeigen, wiesen alle auf das Gummimodell.

 
Mehr im Internet:
Institute of Neurology  
Schattenhafte Körpererweiterung   


 


 


 

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