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15.07.2005 - BIOGEOCHEMIE

Kohlenstoffsenke überschätzt

(kso) Eine detaillierte Kohlenstoffbilanz der borealen Wälder und angrenzenden Grasländer und Steppen Sibiriens hat gestern das von der EU mit 2,8 Mio. Euro geförderte Forschungskonsortium "TCOS-Siberia" (Terrestrial Carbon Observing System - Siberia) vorgestellt.
Das Ziel von TCOS-Siberia ist es besser zu verstehen, wie sich die Kohlenstoffvorräte Sibiriens verändern werden, wenn sich das Erdklima erwärmt, die Permafrostböden auftauen und sich auch die Landnutzung, wie Holzschlag und Landwirtschaft, ändert. Unter Federführung des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie in Jena kamen die Wissenschaftler aus sieben EU-Staaten und der Russischen Föderation zu dem Ergebnis, dass die borealen Wälder Sibiriens eine wesentlich geringere Kohlenstoffsenke darstellen als bislang angenommen.

"Trotz der enormen logistischen Herausforderungen ist es gelungen, über den Projektzeitraum eine weitgehend lückenlose Aufzeichnung der Austauschflüsse und atmosphärischen Spurengaskonzentrationen in Sibirien zu erhalten," so der Koordinator des Projektes, Prof. Dr. Martin Heimann vom Jenaer Max-Planck-Institut für Biogeochemie. Die ersten Auswertungen zeigten, dass die borealen Wälder Sibiriens weniger als 20 Prozent der fossilen CO2-Emissionen der Russischen Föderation aufnehmen. Die Kohlenstoffbilanz schwankt allerdings sehr stark von Jahr zu Jahr wegen der großen Variabilität des Klimas und der unterschiedlichen Häufigkeit von Wald- und Steppenbränden.

Ein Vergleich ähnlicher Ökosysteme unter unterschiedlichen Klimabedingungen zeigt, dass eine Temperaturerhöhung primär wegen der Verlängerung der Vegetationsperiode zunächst zu mehr Kohlenstoffspeicherung führt. Ob sich allerdings dieser Trend bei einer längerfristigen Temperaturerhöhung hält, lässt sich auf Grund der kurzen Projektlaufzeit noch nicht schlüssig belegen. Die an den borealen Wald im Süden angrenzenden Grasländer und Steppen erwiesen sich hingegen als eine substantielle CO2-Senke. Dieser Befund hat mit der veränderten Landnutzung seit dem Ende der Sowjetunion zu tun. Anstelle von intensiver Landwirtschaft sind viele Flächen heute entweder verlassen oder werden nur noch als Weideland genutzt.

Um diese Studien auch nach Abschluss von TCOS-Siberia fortführen zu können, etabliert das Max-Planck-Institut unter dem Namen "ZOTTO" gerade ein Nachfolgeprojekt: In Zentralsibirien, nahe dem Fluss Jenniseiy, entsteht eine Forschungsstation, das "Zotino Tall Tower Observatorium" mit einem 300 Meter hohen Messturm. Ausgestattet mit Präzisionsinstrumenten zur Messung von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen soll die Station bereits 2006 in Betrieb gehen.



Mehr im Internet:   
"TCOS SIBERIA - Terrestrial Carbon Observation System Siberia"  
Max-Planck-Institut für Biogeochemie

 

 

 

 


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