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08.08.2005 - BIOTECHNOLOGIE

Guter Pilz - böser Pilz

Verschimmelte Maiskolben - Bild: IITA

(kso)  Wissenschaftler der Universität Bonn und des International Institute of Tropical Agriculture in Ibadan (IITA), Nigeria, wollen den hochgiftigen Schimmelpilz Aspergillus flavus mit einer ungewöhnlichen Methode bekämpfen: Sie "impfen" die Felder mit einer Aspergillus-Variante, die kein Toxin produzieren kann, und hoffen, dass der "gute" Schimmel den "bösen" verdrängt. Unterstützt werden sie dabei von Forschern aus dem US-Bundesstaat Arizona, die mit dieser Methode die Toxin-Belastung von Baumwolle bereits um 98 Prozent reduzieren konnten. 

Die Forscher um Richard Sikora von der Uni Bonn wollen das nun mit dem Pilz Aspergillus flavus machen. Einige Stämme dieses
"Pinselschimmels" produzieren mit den Aflatoxinen extrem giftige Substanzen. "Unsere Kollegen vom International Institute of Tropical Agriculture konnten kürzlich bei 99 von 100 Kindern aus Benin und Togo Aflatoxin im Blut nachweisen. Folge sind drastische Wachstums- und andere Entwicklungsstörungen", erläutert der Pflanzenmediziner. Da Aflatoxine zudem stark krebserregend seien, liege hier vielleicht auch eine Ursache für die hohe Leberkrebsrate in Afrika.

Dabei ist die Vorarbeit der amerikanischen Kollegen, die ihre Methode bereits erfolgreich testen konnten, ein großer Vorteil. Peter Cotty von der University of Arizona, Tucson, vermehrte ungiftige Pilzstämme auf Getreidekörnern und verteilte die durchwucherten Körner auf Baumwollfeldern. Der ungefährliche Stamm war erheblich in der Überzahl und konnte die toxische Variante fast vollständig verdrängen -  die Aflatoxin-Belastung der Baumwolle sank um über 99 Prozent. In den USA wurde der "gute" Pilz inzwischen als biologisches Mittel zur Schädlingsbekämpfung zugelassen. "Gerade für Entwicklungsländer wäre das die ideale Strategie, um das Aflatoxin-Problem in den Griff zu bekommen", ist Sikora überzeugt.

Mit ihren Kollegen in Nigeria suchen die Bonner Forscher nun seit zwei Jahren nach einem Aspergillus-Stamm für den Einsatz vor Ort. Dieser darf zuverlässig kein Aflatoxin produzieren und außerdem so "fit" sein, dass er sich in der freien Wildbahn gegen die giftige Verwandtschaft durchsetzten kann. "Wir haben insgesamt 3.000 Isolate untersucht und sind dabei auf einige sehr aussichtsreiche Stämme gestoßen", so Sikoras Kollege Sebastian Kiewnick. "Nun geht es bald an die ersten Feldversuche." Zusätzliche Ernteeinbußen seien durch die massive Ausbringung von Schimmelpilzen nicht zu befürchten.


Mehr im Internet:
Institut für Pflanzenkrankheiten, Universität Bonn 
International Institute of Tropical Agriculture, Ibadan, Nigeria      
Aflatoxine   



 




 

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