Auf dem Mars muss es für lange Zeit große Wasserflächen gegeben haben. Darauf deuten zwei Sorten von Mineralien hin, die von der europäischen Sonde "Mars Express" identifiziert werden konnten. Auf einer Pressekonferenz in der ESA-Zentrale in Paris wurde die Entdeckung heute von französischen und amerikanischen Forschern vorgestellt.
Die Mineralien spürte OMEGA auf, ein Messinstrument an Bord der Sonde, das Kamera und Infrarotspektrometer kombiniert. Das Instrument erfasste innerhalb von 18 Monaten die komplette Oberfläche des Mars in einer Auflösung von einem bis fünf Kilometer. Einige besonders interessante Gegenden betrachteten die Forscher in noch höherer Auflösung. Dazu zählte etwa Marwth Vallis, eine Schlucht, durch die einmal ein breiter Strom geflossen sein soll. Dort konnten große Mengen spezieller Phyllosilikate gefunden werden, die Wasser in ihre kristalline Struktur einbauen. Weil dieser chemische Prozess sehr lange dauert, muss der Strom auch lange Zeit Wasser geführt haben, so die Forscher.
OMEGA identifizierten zudem Sulfate, die auf Salzwasser hindeuten; die Mineralien entstehen in der Regel nur in saurer Umgebung. Die Sonde fand entsprechende Ablagerungen u.a. am Nordpol des roten Planeten.
Der "Mars Express" hatte schon im Januar 2004 am Südpol des Roten Planeten gefrorenes Wasser entdeckt sowie Ablagerungen, die noch größere Mengen Wasser in der Mars-Geschichte vermuten ließen. Unklar blieb allerdings, wann und wie schnell der Planet diese Vorkommen verlor. Dazu könnten die neuen Funde Hinweise liefern.
Die Phyllosilikat-Ablagerungen müssen sich schon in der frühesten Phase des Planeten gebildet haben, im so genannten Noachian vor etwa vier Milliarden Jahren, schätzt Jean-Pierre Bibring vom Institut d'Astrophyisique Spatiale, der OMEGA-Daten auswertet. Das Material sei dann vermutlich unter wiederholten Lava-Strömen begraben worden. Erosionen und Meteoriteneinschläge ließen die Schichten wieder an die Oberfläche treten.
Die Sulfate sollen erst im sich anschließenden, rund zwei Milliarden Jahre dauernden Hesperian, der zweiten Entwicklungsstufe des Mars, entstanden sein. Zwischen diesen beiden großen Epochen erlebte der Planet einen entscheidenden Klimawandel, glauben die ESA-Forscher. Sie stellen ihre Ergebnisse in der morgigen Ausgabe von "Nature" vor.
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