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06.01.2006 - GEBÄRDENSPRACHE

Hände in die Höhe gereckt

Dr. Ulrike Zeshan

(kso) Auch wenn die Diskussionen und Vorträge lebhaft und angeregt sein werden, laut wird es auf dem Symposium "Higher Education for Deaf People in Developing Countries" nicht zugehen. Denn selbst applaudiert wird lautlos, mit in die Höhe gereckten Händen, die hin und her wackeln - so applaudieren Gehörlose. Das Symposium über die akademische Ausbildung für Gehörlose in Entwicklungsländern findet am 14. und 15. Januar findet in niederländischen Nimwegen statt. Die gemeinnützige Stiftung "Deaf Empowerment Foundation" (DEF) hat gehörlose Akademiker aus aller Welt eingeladen, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen und über Verbesserungen zu diskutieren.

Das Symposium widmet sich einer Problematik, die auch hierzulande erst seit ein paar Jahren zunehmende Beachtung findet: dem Zugang Gehörloser zu akademischer Bildung. In Entwicklungsländern ist der Besuch einer Universität für Gehörlose noch immer mit kaum überwindbaren Hürden verbunden. In Indien etwa besuchen nur schätzungsweise 5% aller gehörlosen Kinder überhaupt eine Schule, und eine verschwindende Minderheit schlägt sich mehr schlecht als recht ohne jede Unterstützung bis zu akademischer Bildung durch.

Die DEF ist angetreten, dies zu ändern. Ins Leben gerufen wurde sie im Dezember letzten Jahres von der Sprachwissenschaftlerin Dr. Ulrike Zeshan, die mit ihrem Emmy-Noether-Stipendium am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik die Typologie verschiedener Gebärdensprachen erforscht. "Ziel der Stiftung ist es, langfristig die akademische Ausbildung für Gehörlose in Entwicklungsländern zu fördern," erläutert Zeshan das Projekt. "Dazu wollen wir uns auf drei Bereiche konzentrieren. Wir wollen einzelne gehörlose Studenten unterstützen, aber auch schon bestehende Institutionen. Wo nötig, wollen wir neue Institutionen für Gehörlose gründen. Mein großer Traum ist der Aufbau einer internationalen Gehörlosen-Universität," so Zeshan weiter.

Die Teilnehmer des Symposiums wissen, wovon sie reden. Ob aus Uganda, Argentinien, Südafrika oder Indien - sie alle haben selber erlebt, was es bedeutet, sich als Gehörloser in einem Entwicklungsland weiterzubilden. Und deshalb wollen sie sich vernetzen, um Bildungsprogramme von Gehörlosen für Gehörlose zu entwickeln. Ein erster Schritt hierzu ist ein einwöchiger Workshop (9. bis 14. Januar) zur internationalen Gebärdensprachforschung, der unmittelbar vor dem Symposium am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik stattfinden wird.


Mehr im Internet:
Max-Planck-Institut für Psycholinguistik
Workshop "Cross-linguistic sign Language Research"  

 

 

 

 

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