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11.01.2006 - BIOLOGIE

Ameisen-Lehrer und Schüler

Carsten Meinke / JKM

Bild: Nigel Franks, Tom Richardson
Gute Lehrer passen sich den Fortschritten ihrer Schüler an, anstatt den Stoff lediglich herunterzuspulen. Ameisen beherzigen diese Lektion ebenfalls, wenn sie Artgenossinnen zu einer Futterquelle führen, berichten zwei englische Biologen im Magazin "Nature". Vermutlich handle es sich um das erste Beispiel eines Unterrichtens mit laufender Rückmeldung bei Tieren.

Nigel Franks und Tom Richardson beobachteten das Verhalten von Ameisen der Art Temnothorax albipennis. Bei dieser Art bilden sich mitunter regelrechte Tandems: Dabei läuft eine erfahrene Arbeiterin zu einer Futterquelle und wird dicht gefolgt von einer noch unerfahrenen Kollegin. Diese betrommelt Hinterleib und Beine der führenden Ameise stetig mit den Fühlern. Andernfalls bricht die Führerin den Tandemlauf rasch ab, fanden die Forscher.

Wird der Abstand zwischen beiden Ameisen zu groß, bremst die erste und die zweite beschleunigt. Seine Maximalgeschwindigkeit erreicht das Tandem, wenn der Abstand zwischen beiden Tieren gerade der Fühlerlänge entspricht. Dennoch käme die führende Ameise allein gut viermal schneller voran, ermittelten die Biologen. Für sie ist die Unterrichtung der Artgenossin also durchaus mit Kosten verbunden. Insgesamt profitiert die Kolonie aber, indem das Wissen um eine Futterquelle weitergegeben wird.

"Bidirektionales Feedback zwischen Lehrerin und Schülerin unterscheidet dieses Unterrichten von einem bloßen Aussenden von Information", so Franks und Richardson. Derartige Taktiken, etwa das schlichte Legen einer Duftspur, seien zwar in großen Gruppen effektiv. Für kleine Gruppen, in denen Information relativ kostbar sei und rascher verloren gehe, sei Unterrichten jedoch besser geeignet. Die neuen Resultate "zeigen, dass ein großes Hirn dafür keine Voraussetzung ist".


Mehr im Internet:
Ant Lab, University of Bristol 
Ant Colony Optimization 
Ameisen setzen Stoppzeichen 

 

 

 

 

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