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22.02.2006 - GESCHICHTE

Diszipliniertes Gemetzel

Carsten Meinke / JKM Media

Gladiatorenkämpfe waren keine wilden Gemetzel, sondern vergleichsweise disziplinierte Gefechte. Für diese Ansicht sprechen Skelette römischer Gladiatoren, die österreichische Forscher analysiert haben. Keiner der Kämpfer trug zum Todeszeitpunkt mehr als eine frische Schädelwunde, frühere Wunden waren dagegen gut versorgt worden. Das berichtet das Magazin "New Scientist" in seiner neuen Ausgabe.

Die Befunde sprächen "für das Fehlen exzessiver Gewalt, wie sie an Opfern mittelalterlicher Schlachten häufig beobachtet wird", so Fabian Kanz und Karl Großschmidt von der Medizinischen Universität Wien und vom Österreichischen Archäologischen Institut. Die Forscher hatten Gebeine von Gladiatoren untersucht, die in Ephesos in der heutigen Türkei gefunden worden waren, der Hauptstadt der römischen Provinz Asia.

Per Computertomograph und Mikroskop studierten Kanz und Großschmidt Schädel von 67 Gladiatoren, die im zweiten nachchristlichen Jahrhundert gestorben waren. Elf dieser Schädel wiesen auf der Frontseite Spuren einer oder mehrerer Verletzungen auf, die jedoch noch vor dem Tod des jeweiligen Individuums gut verheilt waren. Die Wunden ließen sich allen bekannten Gladiatoren-Waffen zuordnen, unter anderem dem Dreizack, berichten die
Forscher im Fachblatt "Forensic Science International".

In zehn Fällen fanden sie seitliche Schädelverletzungen, die den Kämpfern zum Zeitpunkt ihres Todes beigefügt worden waren. "Berücksichtigt man, dass die meisten Gladiatoren Helme trugen, ist der Anteil tödlicher Kopfverletzungen erstaunlich hoch", so Kanz und Großschmidt. Eine mögliche Erklärung für diese Beobachtung sei, dass vom Publikum per Daumenzeig zum Tode verurteilte Gladiatoren mitunter noch lebten, wenn sie aus der Arena geschafft wurden. In diesem Fall könnten sie durch einen Hammerschlag gegen den Schädel in die Unterwelt geschickt worden sein.


Mehr im Internet:
Österreichisches Archäologisches Institut
Zentrum für Anatomie und Zellbiologie, Med. Universität Wien
Metropole Ephesos
Gladiator


 

 

 

 

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