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19.06.2006 – MOLEKULARBIOLOGIE

Rückzug aus dem Blatt

(jtu) Wenn eine Pflanze ihre Blätter nicht mehr benötigt, lässt sie sie in einem streng kontrollierten Abbauprozess, der so genannten Seneszenz, sterben. Zuvor sichert sie sich jedoch alle Stoffe aus den Blättern, die sie noch gebrauchen kann. Die Genetikerin Ulrike Zentgraf von der Universität Tübingen erforscht, wie den Blättern signalisiert wird, dass es Zeit ist für den geordneten Rückzug und was sich während der Seneszenzprozesse in den Zellen abspielt.

"Im Vordergrund steht nicht der Zelltod, sondern die Mobilisierung von Stoffen aus den Zellen des absterbenden Pflanzenorgans", erklärt die Forscherin. Ulrike Zentgraf hat sich entschieden, mit ihren Forschungen an einem möglichst einfachen Pflanzenmodellsystem unter gleich bleibenden Laborbedingungen zu beginnen. Die Wahl fiel auf die Ackerschmalwand, lateinisch Arabidopsis thaliana, deren Genom vollständig sequenziert ist.

Als möglicher Auslöser der Seneszenz käme das Absinken der Fotosyntheserate im Blatt unter einen Schwellenwert in Frage. "Es zeigte sich, dass die Aktivität mancher Gene mit dem Alter des Blatts zusammenhängt, bei anderen aber mit dem Alter der ganzen Pflanze", berichtet Zentgraf.

Ein weiteres Fadenende im Knäuel der schwer überschaubaren Seneszenzprozesse bekam die Forscherin mit ihrem Team in die Hand, als sie die Reaktion auf den so genannten oxidativen Stress untersuchte. Unter oxidativem Stress verstehen die Wissenschaftler zerstörerische Sauerstoffradikale, die als unerwünschte Nebenprodukte in allen Organismen entstehen, die Sauerstoff zum Leben benötigen.

"Bei diesen Organismen hängt die Lebensdauer stark davon ab, wie gut ihr Stoffwechsel solche Sauerstoffradikale unschädlich machen kann." In den Blättern der Ackerschmalwand, hat sie festgestellt, werden bereits einige Zeit bevor Anzeichen von Seneszenz zu erkennen sind, deutlich weniger Enzyme hergestellt, die Sauerstoffradikale einfangen. "Wir haben vor allem das Auftreten von Wasserstoffperoxid, das Gewebe schwer schädigen kann, in den Blättern des Modellsystems untersucht. Dort gab es in sieben Wochen alten Pflanzen eine auffällige Spitzenkonzentration." Möglicherweise sei dies ein Signal zur Einleitung der Seneszenz in den Blättern.
 

Mehr im Internet:
Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen, Uni Tübingen
Forschungsgruppe Zentgraf


 

 

 

 

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