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18.08.2006 - MATERIALFORSCHUNG

Den Perowskiten verschrieben

Daniela Wenger / kso

Dr. Anke Weidenkaff
Bild: Ruedi Keller, Empa

"Die meisten Erfindungen werden durch Zufall gemacht. Wir wollen gezielt und kontrolliert Eigenschaften von Materialien verändern und dabei trotzdem genügend Freiräume für Zufälle lassen." So beschreibt Anke Weidenkaff ihr Vorgehen beim Entwickeln neuer Funktionsmaterialien für Energieumwandlungs- und Umwelttechnologien. Sie ist seit 1. Mai 2006 Leiterin der Abteilung "Festkörperchemie und -katalyse" bei der Empa, einer Forschungsinstitution für Materialwissenschaften und Technologie im so genannten ETH-Bereich in der Schweiz.

Weidenkaffs Forschungsgebiet sind die alternativen Energiequellen. Sie befasst sich mit verschiedenen Feststoffen, die eine Form von Energie in eine andere umwandeln können. Nach ihrer Doktorarbeit am Paul Scherrer Institut (PSI) in Villigen und der ETH Zürich sowie einem Postdoc-Aufenthalt am Solarforschungs-Institut des "Centre national de la recherche scientifique (CNRS)" im französischen Font-Romeu habilitierte sie an der Universität Augsburg und erhielt eine Gastprofessur an der Universität Caen. Ende 2003 folgte sie dem Ruf der Empa nach Dübendorf.

An der Empa baute sie erfolgreich die Gruppe "Festkörperchemie" auf, die als erstes Team in der Schweiz neue perowskitartige Thermoelektrika zu entwickeln begann. "Sehr gut" laufe dies, berichtet Anke Weidenkaff. "Wir haben bereits nach kurzer Zeit angefangen, eine wichtige Rolle in der Perowskitforschung zu spielen, und haben die internationale Perowskit-Konferenz ins Leben gerufen". Perowskite - keramische Materialien mit einer speziellen Kristallstruktur - eignen sich unter anderem als Energiewandler von mechanischer oder thermischer Energie - sprich Wärme - in Elektrizität. Perowskite liegen im Trend; jährlich erscheinen derzeit mehr als 2.500 Publikationen in angesehenen Fachblättern über diese Verbindungen, die dadurch zu einer der wichtigsten Materialklassen der Chemie avancierten.

Perowskite gelten als eine Schatztruhe voller Möglichkeiten für die Materialforschung. Denn die keramischen Materialien mit einer speziellen Kristallstruktur besitzen eine erstaunliche Vielfalt an elektronischen und magnetischen Eigenschaften: selbst bei relativ hohen Temperaturen sind sie supraleitend, sie wandeln mechanischen Druck oder Wärme in Elektrizität, beschleunigen chemische Reaktionen und im Magnetfeld ändern sie drastisch ihren Widerstand. Damit aber nicht genug der Vorzüge. Die Materialeigenschaften von Perowskiten lassen sich ausserdem manipulieren. Dazu werden bestimmte Elemente im Kristallgitter ausgetauscht – wie in einem Baukasten. Das Ergebnis sind neuartige Funktionsmaterialien mit massgeschneiderten Charakteristiken.

Ein bedeutender Forschungsbereich ist das "Massschneidern" von Energiewandlern, die beispielsweise die Wärme der Sonnenstrahlen in elektrische Energie oder elektrische in chemische Energie umwandeln. Die Energieumwandlung wird durch den Transport von Elektronen oder Ionen, die als "Energieträger" fungieren, ermöglicht. Weidenkaff und ihr Team untersuchen, wie die geladenen Teilchen in verschiedenen Festkörpern transportiert werden, und wie dieser Energietransport kontrolliert werden kann. Dabei experimentieren sie mit an der Empa entwickelten neuartigen Materialien mit Perowskitstruktur sowie mit Kohlenstoff-Nanoröhrchen. "Unsere Herausforderung ist es, den Gegensatz zwischen Reaktivität und Stabilität eines Materials optimal zu nutzen", begeistert sich die Chemikerin.

Viel versprechend seien so genannte mesoporöse Materialien, also Materialien mit Porengrössen zwischen 2 und 50 Nanometer. Dank der feinen Porenstruktur weisen solche Materialien eine grosse Oberfläche auf, was sie sehr reaktionsfreudig mache. Da mesoporöse Materialien gleichzeitig auch stabil sind, bieten sie sich geradezu an, chemische Energie aus so genannten Redoxreaktionen - wie sie unter anderem in einer Brennstoffzelle ablaufen - in andere Energieformen umzuwandeln. Damit sich Perowskite auf dem Markt durchsetzen können, müssen die Leistung gesteigert und die Herstellungskosten gesenkt werden. Ziel ist es daher, neue und kostengünstige Funktionsmaterialien auf Basis von Perowskiten zu entwickeln, die Wärme effizient in Elektrizität wandeln.


Mehr im Internet:
Empa Abteilung Festkörperchemie und -katalyse
Dr. Anke Weidenkaff  
Perowskite
Internationale Perowskite-Konferenz 2005 
Funktionsmaterialien aus dem Baukasten, Empa 2005




 

 

 

 

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