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23.08.2004 - LÄRMEMISSIONEN

Fahrwerke im Blickpunkt der Lärmreduzierung

Bild: DLR

(kso) Bei ihren Bemühungen zur Reduzierung  des Fluglärms haben die Wissenschaftler und Ingenieure bereits seit einigen Jahren neben den Flugzeugtriebwerken auch die bisweilen weit herausragenden Fahrwerke ins Visier genommen. Bekanntlich erforderten die in den letzten Jahren zunehmend größeren Triebwerke eine größere Bodenfreiheit, die zu immer kompakteren Fahrwerken führt. Jüngste Windkanalmessungen unter Mitwirkung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zeigten vor kurzem in der Aeroakustik-Messstrecke des Deutsch-Niederländischen Windkanals auf dem Noordoostpolder mit einer unter akustischen Aspekten verbesserten Fahrwerkskonfiguration in Originalgröße bereits ein Lärmminderungspotenzial von bis zu 5 dB, wie die DLR mitteilte.

Im Rahmen des EU-Projekts SILENCER ("Significantly Lower Com- munity Exposure to Aircraft Noise") entwickelten die Experten diver- se Fahrwerkskonfigurationen mit verringertem Umströmungslärm. Dabei dürften aber, so die DLR, Funktionalität, Sicherheit, Gewicht und Wartungskosten nicht verschlechtert werden. Um die Lärmmin- derung für neue - unter Beachtung auch aeroakustischer Randbe- dingungen entwickelter - Fahrwerkskonfigurationen am Ende de- monstrieren zu können, wurden die globalen Einbaurandbedingun- gen für konventionelle Airbus A340-Fahrwerke als Basis festgelegt.

Ausgangspunkt der Arbeiten, die auf bereits vor einigen Jahren an einem A 320-Fahrwerk durchgeführten Grundlagenmessungen basierten, waren die im EU-Projekt RAIN gewonnenen Erfahrungen zum Lärmminderungspotenzial durch aerodynamische Verkleidung einzelner Komponenten an serienmäßigen A340 Fahrwerken. Auf der Basis langjähriger Erfahrung mit Strömungsschallquellen und deren Minderung wurden Modifikationen an den herkömmlichen Fahr- werksstrukturen entwickelt.

Die Beurteilung der potenziellen Wirkung verschiedener Maßnahmen zur Lärmminderung wurde unterstützt durch Strömungsfeldrechnun- gen. Für die numerischen Simulationen wurde das vom DLR-Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik entwickelten Programm MEGAFLOW genutzt. Dabei ging es sowohl darum, Wechselwirkungen von turbulenten Nachlaufströmungen mit stromab liegenden Fahr- werksteilen zu vermeiden, als auch kleinere Fahrwerkskomponenten nicht in Gebieten lokal hoher Umströmungsgeschwindigkeit in der Umgebung größerer Komponenten anzuordnen. Mit den numerischen Simulationen von Strömungsverläufen an einem Fahrwerk nimmt das DLR-Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik eine europaweit führende Position ein.

Die von den Projektpartnern (Airbus, BAE-Systems, MDSA, DLR und ISVR) gemeinsam erarbeiteten Fahrwerkskonfigurationen wurden jeweils als "mock-up" gefertigt und vor kurzem im Deutsch-Nieder- ländischen Windkanal in Originalgröße aeroakustisch vermessen. Die Richtcharakteristika des abgestrahlten Umströmungslärms wurden für verschiedene Windgeschwindigkeiten und für unterschiedliche Fahrwerksmodifikationen bestimmt. Letzteres diente dem Nachweis des Potenzials einzelner Lärmminderungskonzepte. Zur Unter- stützung dieser Bewertung erfolgten auch Messungen mit "Mikrofon-Arrays", den so genannten Akustischen Kameras.

Das erste Ergebnis der gegenwärtigen Datenanalyse zeigt, daß ge- genüber den im Projekt RAIN entwickelten, nachrüstbaren Verklei- dungen durch die in SILENCER realisierten Konfigurationsänderungen eine zusätzliche, breitbandige Lärmminderung um 1 bis 2 dB im wesentlichen Frequenzbereich über 1 kHz erreicht werden konnte. Dieses erste Ergebnis zeigt aber auch, welcher konstruktive Aufwand für jedes weitere Dezibel an Lärmminderung nötig ist. Auf der Grundlage heutiger Fertigungstechnologien ist diese Lärmminderung allerdings noch mit einer nicht unerheblichen Gewichtszunahme gegenüber der Basiskonfiguration verbunden.


Mehr im Internet:
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
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