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26.06.2007 - MATERIALFORSCHUNG

Nano-Wellblech mit Wirkung

(irw) Wissenschaftler vom Forschungszentrum Dresden-Rossendorf konnten zeigen, dass sich magnetische Eigenschaften von Materialien gezielt durch Nano-Strukturen auf der Oberfläche beeinflussen lassen. Dieser erstmalig beobachtete Effekt erlaubt ein tieferes Verständnis von magnetischen Materialien und könnte die Entwicklung neuartiger Sensoren ermöglichen.

Weltweit versuchen Wissenschaftler, die magnetischen Eigenschaften von Materialien so zu verändern, dass man sie für gezielte Anwendungen optimal anpassen kann. So werden zum Beispiel in der Automobilindustrie Materialien für Winkel-Sensoren benötigt, die eine hohe Stabilität der Magnetisierung aufweisen. Mit diesen Sensoren misst man Winkelpositionen und sie werden zur Ventil- und Lenkradsteuerung eingesetzt. Hier könnten die neuen Erkenntnisse dazu beitragen, dass leistungsfähigere und präzisere Sensoren entwickelt werden.

Jedes Material besitzt spezielle Eigenschaften. So ist eine gute elektrische Leitfähigkeit typisch für Kupfer, nicht jedoch für Holz oder Plastik. Eine Veränderung solcher Materialeigenschaften ist nur innerhalb natürlich vorgegebener Grenzen möglich. Dr. Jürgen Faßbender und Dr. Stefan Facsko haben nun herausgefunden, dass spezielle Nano-Strukturen auf der Oberfläche einen entscheidenden Einfluss auf die magnetischen Eigenschaften des gesamten Materials haben. Sie konnten somit erstmalig den Magnetismus auf atomarer Ebene - und damit jenseits natürlicher Grenzen - gezielt verändern.

Facsko beschäftigt sich mit Verfahren, um gezielt neuartige Oberflächenstrukturen auf Materialien herzustellen. Mit Hilfe eines Ionenstrahls - das sind schnelle geladene Atome - erzeugt er eine wellenartige Struktur auf einer Siliziumoberfläche. In einem zweiten Schritt wird auf diese behandelte Oberfläche eine ultradünne Schicht eines magnetischen Materials aufgetragen. Diese Schicht übernimmt dabei die wellenartige Struktur der Siliziumoberfläche. So entsteht eine Art Nano-Wellblech, dessen Täler und Berge winzig klein sind. Gerade einmal zwei Nanometer - ein Nanometer entspricht dem Milliardsten Teil eines Meters - hoch sind die erzeugten Strukturen.

Fassbender untersuchte diese Oberflächenschichten auf ihre magnetischen Eigenschaften. In dem vor kurzem veröffentlichten Artikel in der Fachzeitschrift "Physical Review B - Rapid Communications" beschreibt er die außergewöhnlich starke Richtungsabhängigkeit der magnetischen Eigenschaften im neuen Material. Die gemessenen Daten zeigen, dass es eine Vorzugsrichtung parallel zu den Tälern und Hügeln des Nano-Wellblechs gibt.

Das bedeutet, dass eine Richtungsumkehrung der Magnetisierung nur schwer möglich ist. Solch eine höhere Stabilität der Magnetisierung ist beispielsweise für Winkelsensoren eine sehr wünschenswerte Eigenschaft. Die Ergebnisse der Rossendorfer Forscher zeigen somit erstmalig, dass Veränderungen von Materialoberflächen auf atomarer Skala einen grundlegenden Einfluss auf die magnetischen Eigenschaften des gesamten Materials haben.


Mehr im Internet:
Forschungszentrum Dresden - Rossendorf e.V.
Dr. Jürgen Faßbender -Webseite
Magnetischer Drehsinn im Nano, scienzz 10.05.2007


 

 

 

 

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