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13.07.2007 - SOZIALWISSENSCHAFT

Berufspolitiker keine Elite

(jtu) Sozialwissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben in den vergangenen vier Monaten mehr als 1.200 Abgeordnete aus 13 Landesparlamenten, dem Deutschen Bundestag und dem Europäischen Parlament über ihr Rollenverständnis, die Mandatsausübung und die Einschätzung der parlamentarischen Arbeit befragt. Die Erhebung ist zentraler Bestandteil der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten "Jenaer Abgeordnetenstudie", einer langfristig angelegten Untersuchung parlamentarischer Führungsgruppen im vereinten Deutschland.

Nach einer ersten vorläufigen Auswertung spricht sich eine große Mehrheit der Abgeordneten für die Offenlegung der Einkünfte aus Nebentätigkeiten aus. Ähnlich deutlich ist die Unterstützung dafür, dass Abgeordnete für ihre Altersversorgung selbst aufkommen sollen. "Damit reagieren die Mandatsträger auf die zusehends kritische Wahrnehmung in der Öffentlichkeit", vermutet Projektleiter Prof. Heinrich Best.

Insgesamt haben weit mehr als die Hälfte der Mandatsträger an der Telefonbefragung teilgenommen. Die höchste Ausschöpfung erreichten die Sozialwissenschaftler im Thüringer Landtag (91  Prozent) und im Landtag von Sachsen-Anhalt (86 Prozent). In einzelnen Fraktionen beteiligten sich sogar alle Abgeordneten, darunter die Linkspartei in Sachen-Anhalt und Thüringen, die thüringische SPD und die hessischen Bündnisgrünen.

Die wöchentliche Arbeitszeit der Abgeordneten betrage auch in sitzungsfreien Wochen weit über 40 Stunden und beläuft sich bei den Mitgliedern des Bundestags in den Sitzungswochen auf Durchschnittswerte zwischen 60 und 70 Stunden. Weiterhin sehen die Abgeordneten ihre Tätigkeit mehrheitlich als richtigen Beruf an. Entsprechend verstehen sich die meisten Parlamentarier als Berufspolitiker.

Für die Jenaer Forscher überraschend, verbindet sich mit diesem Selbstverständnis aber nicht die Vorstellung, der politischen Elite anzugehören. "Vor etwaigen normativen Implikationen, wie sie beim Begriff der Elite mitschwingen, schrecken die Abgeordneten zurück", so die Wissenschaftler der Jenaer Universität.


Mehr im Internet:
Uni Jena, SFB Gesellschaftliche Entwicklungen nach dem Systemumbruch
Reden, Hören, Selbstdarstellung, scienzz 27.06.2006


 

 

 

 

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