Berlin, den 29.07.2010 Link Home Link Ticker Link Magazin Link Galerie Link Impressum
ticker
aktuell
die woche
leute
kommentar
archiv
Suche
Go 
Copyright by scienzz.
All rights reserved.
archiv

28.07.2007 - MEERESFORSCHUNG

Fieberkurve der Tiefsee

(kso) Das kälteste Wasser am Boden der Tiefsee im Südatlantik wird immer wärmer. Das zeigen Messungen deutscher und russischer Meeresforscher, die seit fast vier Jahrzehnten regelmäßig zum "Fiebermessen" in diese Region fahren. Unklar ist, ob dieser Trend seinen Ursprung in der Antarktis hat und wie er sich langfristig auf die globale Ozeanzirkulation auswirken wird. Die Ergebnisse der Langzeituntersuchung haben die Forscher, darunter ein Ozeanograph des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR), in der "Geophysical Research Letters" veröffentlicht.

Die Messung der Temperatur an Schlüsselstellen der Weltmeere ist eine wichtige Aufgabe der Ozeanographen. Damit können sie mögliche Veränderungen in den Strömungen relativ rasch erkennen. Eine dieser Stellen befindet sich östlich von Rio de Janeiro, im so genannten "Vema-Kanal", einem Canyon zwischen dem Argentinischen und Brasilianischen Becken. Der Kanal in 4.500m Wassertiefe ist nur 15km breit, doch werden dort unvorstellbare drei Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde am Boden nach Norden transportiert. Das sind 20 Mal mehr als der Amazonas in den Atlantik führt.

Das Wasser, auch antarktisches Bodenwasser genannt, stammt aus südpolaren Breiten, wo es im Weddell-Meer während des Winters gebildet wird. Anders als bei vielen Oberflächenströmungen, die vom Wind angetrieben werden, wirken hier Dichteunterschiede als Antrieb. Der enge Kanal lässt die Strömung auf etwa 25 Zentimeter pro Sekunde anschwellen. Diese 900m pro Stunde scheinen auf den ersten Blick nicht viel, erläutert Walter Zenk von IFM-GEOMAR, es sei aber "in diesen Wassertiefen schon fast wie ein Sturm in der Atmosphäre".

Bemerkenswert an den über 35 Jahren gesammelten Daten sei, so Zenk weiter, dass die Temperatur in diesen Tiefen systematisch ansteigt, von weniger als 0.18 Grad in den 70iger Jahren auf über 0.22 Grad im Mai 2007. "Das mag vernachlässigbar klingen, hat aber einen deutlichen Einfluss auf die Dichte des transportierten Wassers, und Dichteunterschiede sind verantwortlich für den Austausch zwischen den Tiefseebecken".

Über die Ursachen äussert sich Zenk vorsichtig. Es liesse noch nicht klar sagen, ob dies Teil einer langen natürlichen Schwankung sei oder sich vielleicht hier schon die Klimaerwärmung zeige. Letzteres wäre möglich, denn die Wassermasse sei nur einige Jahrzehnte "alt". Das sei die Zeit, die seit dem Absinken von der Oberfläche in der Antarktis bis zur Ankunft im Vema-Kanal vergangen sei.

Das antarktische Bodenwasser ist Teil einer globalen Ozeanzirkulation, die Wassermassen auf einer Zeitskala von Jahrhunderten umwälzt. Verändern sich diese globalen Bewegungen, so wirkt dies langfristig auch auf unser Klima zurück. Insofern ist Bodenwasser im Vema-Kanal ein kleines, aber wichtiges Mosaiksteinchen in diesem globalen Spiel. Walter Zenk und seine Kollege Eugene Morozov vom Moskauer Shirshov-Institut für Ozeanologie werden deshalb weiter "Fieber messen", um Licht ins Dunkel der Tiefsee zu bringen.


Mehr im Internet:
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, IFM GEOMAR
Die Veröffentlichung in Geophysical Research Letters
Dr. Walter Zenk
Loch im Eis, scienzz 23.07.2007
Korridor in die Arktis, scienzz 21.06.2007


 

 

 

 

 <<< 

Artikel versenden

Druckversion

 >>> 
kurz gemeldet

Die EU-Kommission erwägt, den Mitgliedsstaaten freie Hand für Verbot oder Zulassung des Anbaus genetisch manipulierter Pflanzen zu geben. Dies teilte die Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel in Brüssel mit.

Amerikanische Ärzte glauben, ei- nem Impfstoff gegen AIDS näher gekommen zu sein. Sie modifizierten ein menschliches Protein, das in abgewandelter Form auch bei Nachtaffen vorkommt und die Ausbreitung des HI-Virus bremst, derart, dass es die gleiche hemmende Wirkung entwickelt.

Ab sofort soll die Meteorologische Organisation der UNO (WMO), ein weltumspannendes Informationssystem über Klimadaten aufbauen. Dies beschloss die Weltklimakonferenz der WMO in Genf.

Die Spucke einer südamerikani- schen Zeckenart könnte die Krebsbe- kämpfung revolutionieren. Ärzte vom Butantan-Institut in Sao Paulo stellten fest, dass die Spucke Krebszellen abtötet.

Bei geschlossener Schneedecke fressen Kohlmeisen Zwergfledermäuse, die sich im Winterschlaf befinden. Diese flexible Anpassung an das Futterangebot haben Max-Planck-Ornithologen in einer Höhle in Ungarn beobachtet. Sobald anderes Futter verfügbar war, verloren die Meisen ihr Interesse an den Fledermäusen.

wissenswert

28.08.2009 - ÖKOLOGIE

Ökonomie für den Naturschutz

Wissenschaftler und das Bundesamt für Naturschutz fordern ökonomische Wertung ökologischer Leistungen. > mehr

scienzz dossiers aktuell     

Gesichter der Goethezeit > mehr

Ungleiche Geschwister - Philosophie und Religion > mehr

Klassische Denker der Politik und Soziologie
> mehr

Das Papsttum - Glanz und Elend einer zweitausend- jährigen Geschichte
> mehr

Charles Darwin und der Streit um die Evolutions- theorie > mehr

Bilder, Worte, Wirklich- keiten > mehr


Weitere Scienzz Dossiers
> mehr

kurz gemeldet

Neue Hinweise für eine Virus- Beteiligung bei Prostatakrebs glauben US-Forscher gefunden zu haben. Sie haben das Virus XMRV bei fast jedem dritten untersuchten Prostata-Krebspatienten gefunden. Sollte das Virus der Auslöser sein, könnte man eine Impfung entwickeln wie gegen Gebärmutterhalskrebs.

Im Dschungel von Papua-Neugui- nea entdeckten Wissenschaftler vom Smithsonian Nationalen Museum für Naturkunde in Washington ein Nagetier, das die Größe eines Dackels erreicht. Die Riesenratte misst gut 80 Zentimeter und wird anderthalb Kilogramm schwer.

Der Schwanz, den Geckos auf der Flucht vor Verfolgern abwerfen, kann noch bis zu einer halben Stunde lang tanzende Bewegungen vollführen und den Feind auf diese Weise ablenken, so Zoologen der Clemson University in South Carolina.

Auf Kuba wurden die fossilen Reste eines riesigen Krokodils gefunden, das vor 20 Millionen Jahren gelebt haben soll. Das zehn Meter lange Skelett wurde in der Provinz Sancti Spiritus entdeckt.

In einem erloschenen Vulkan auf  der Osterinsel entdeckten Forscher der Universität von Manchester einen Steinbruch. Aus dieser Quelle könnten auch die roten Hüte stammen, die viele der legendären Riesenfiguren tragen, vermuten die Wissenschaftler.

Der deutsche Bundestag hat alle im Zweiten Weltkrieg gegen "Kriegsverräter" ausgesprochenen Urteile mit den Stimmen aller Fraktionen aufgehoben. Die Anlässe für diese Urteile reichten von politischem Widerstand und der Hilfe für verfolgte Juden über kritische Äußerungen über Krieg und Nazis bis hin zu Schwarzmarktgeschäften.

scienzz-partner

... LEUTE in scienzz

03.08.2009 - MATHEMATIK
Mit am Start bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin

 "Mathematik zählt, weil...du damit fast alles erklären kannst, vielleicht sogar deine gute Note in Sport", meint Mathematik-Professor Matthias Ludwig, Autor des Buches "Mathematik und Sport" und Mathemacher des Monats August der Deutschen Mathematiker Vereinigung. > mehr

wissenswert

17.07.2009 - ANTHROPOLOGIE

EVIDENCE
how do we know what we know?

"Evidence" ist eine Web- Ausstellung des Museums Exploratorium in San Francisco. Anhand einer Fallstudie wird erklärt, wie Wissenschaft funktioniert. Hierbei steht die Arbeit des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie zur Erforschung der menschlichen Ursprünge im Mittelpunkt. > mehr


 Anzeigen 

                       

Meine Bilder bei pixelio.de