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13.08.2007 - ZELLPHYSIOLOGIE

Von der Gliazelle zum Neuron

(irw) Ob bei Parkinson, Alzheimer oder schweren Gehirnverletzungen: Untergegangene oder zerstörte Nervenzellen werden nicht mehr ersetzt. Ein Forscherteam um Professor Magdalena Götz vom Institut für Physiologie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und dem Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit (GSF) Neuherberg konnte nun aus einem nicht-neuronalen Zelltyp im Gehirn funktionale Nervenzellen herstellen. Diese so genannten Gliazellen nehmen nach einigen Tagen der Umprogrammierung die normale Gestalt einer Nervenzelle an. "Besonders interessant ist, dass sie auch deren elektrische Eigenschaften zeigen. Das ist sehr ermutigend, weil die Erzeugung korrekt funktionierender Nervenzellen aus Gliazellen ein wichtiger Schritt sein könnte, auf Grund von Verletzung oder Krankheit zerstörte Neuronen wieder zu ersetzen", erklärt Dr. Benedikt Berninger von der LMU.

Fast neunzig Prozent der Zellen im Gehirn sind so genannte Gliazellen, vor allem die sternförmigen Astroglia. Ihren Namen verdanken die Zellen dem renommierten Mediziner Rudolf Virchow, der diese Zellen Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckte - und ihr Potential völlig unterschätzte. Das griechische Wort "Glia" bedeutet nichts anderes als "Kitt" oder "Leim", und eben diese Funktion wurde den Zellen auch zugeschrieben: Sie sollten die Neuronen stützen, unterstützen und zusammenhalten. Lange verkannt, begann sich die Forschung erst spät für diesen Zelltyp zu interessieren. Mit überraschendem Ergebnis: So konnte Götz nachweisen, dass sich Gliazellen während der Entwicklung des Gehirns in Neuronen umwandeln können. "Damit agieren sie als Stammzellen, haben also das Potential, andere Zelltypen zu bilden. Diese Fähigkeit geht aber in späteren Entwicklungsstadien verloren, so dass Gliazellen selbst nach Verletzungen im erwachsenen Gehirn nicht mehr zu Neuronen werden können", erläutert Götz. Bislang sei es nicht möglich gewesen, die Differenzierung der Gliazellen gezielt anzuregen.

Das aber wäre die Voraussetzung einer Therapie. Um die Entwicklung der Gliazellen zu Stammzellen auch umkehren zu können, untersucht das LMU-Team seit einigen Jahren, welche molekularen Schalter für die Bildung von Nervenzellen aus Gliazellen während der Entwicklung des Gehirns wesentlich sind. Diese Regulatorproteine wurden dann in Gliazellen aus einem älteren Gehirn, also nach der embryonalen Entwicklung, eingebracht. Sie haben daraufhin tatsächlich neuronale Proteine angeschaltet. "Wir konnten zeigen, dass einzelne dieser Regulatorproteine ausreichen, um aus Gliazellen wieder funktionelle Nervenzellen zu erzeugen. Den über mehrere Tage verlaufenden Übergang von der Gliazelle zum Neuron haben wir sogar live in Zeitrafferaufnahmen verfolgt und auch ihre Funktionsfähigkeit nachweisen können", berichtet Berninger. Damit konnte zum ersten Mal bewiesen werden, dass Neuronen, die von reprogrammierten Gliazellen abstammen, physiologisch weitgehend mit funktionierenden Nervenzellen übereinstimmen.


Mehr Im Internet:
Professor Magdalena Götz - Webseite
Schutz fürs Nervenkostüm,scienzz 30.07.2007
Entscheidungshelfer entdeckt, scienzz 23.03.2007


 

 

 

 

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