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12.03.2008 - PSYCHOLOGIE

Wenn Mini-Machiavellis mobben

Aus dem "Napoleonspiel" von Wil-
helm Busch, 1871

(jtu) Schule kann für manche Kinder auch ohne schlechte Noten ein Martyrium sein - Mobbing ist der Grund. Die Palette reicht dabei von verbalen Attacken und Demütigungen sowie sozialer Ausgrenzung bis hin zu körperlichen Angriffen auf die Opfer. Bei Kindern wird dieses Mobbing auch Bullying genannt, was man mit "Tyrannisieren" oder "Drangsalieren" übersetzen kann. In einer Querschnittstudie an Schülern aller Jahrgänge einer Münchener Grundschule konnte die Psychologin Mechthild Schäfer von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München jetzt mit ihren Mitarbeiterinnen Cathérine Hörmann und Julia Zihl nachweisen, dass schon Grundschüler fähig sind zu den komplexen sozialen Interaktionen, die Bullying erfordert.

Dabei bleiben Opfer und Verteidiger ihrer Rolle meist verhaftet, während die Täter - zumindest in den ersten beiden Jahrgangsstufen - weniger festgelegt sind. Erst ab der dritten Klasse gilt verstärkt: Einmal Täter, immer Täter. Überhaupt vollzieht sich zu dieser Zeit - also etwa ab dem achten Lebensjahr - eine Veränderung der Qualität und Dynamik von Bullying, was wesentlich auf die verbesserten sozialkognitiven Kompetenzen der Kinder zurückzuführen ist. Dann wird physische Gewalt eher durch psychologische Formen der Aggression ersetzt.

In einer vorangegangenen Langzeitstudie konnte Schäfer bereits zeigen, dass sich am Verhalten und den Rollen von Kindern in der Grundschule in gewissem Umfang vorhersagen lässt, ob sie in weiterführenden Schulen auch Bullies oder Opfer sein werden. Zwar ist das soziale Gefüge in Grundschulklassen vor allem noch durch symmetrische Zweierbeziehungen geprägt. "Aber auch in diesem Alter gibt es schon Bullying", berichtet Schäfer. "Die Täter konzentrieren sich kaum auf ein Opfer, so dass einzelne Kinder nur in Ausnahmefällen über längere Zeit attackiert werden. Entsprechend sind in dieser Altersklasse in der Regel die Täter, aber nur hie und da die Opfer bei den Mitschülern unbeliebt."

Erst gegen Ende der Grundschulzeit entwickeln die Kinder die Fähigkeit, komplexere Beziehungsgeflechte auszubilden, die den Aufbau hierarchischer Gruppenstrukturen möglich machen - was typisch ist für Klassen in höheren Schulen. Im Rahmen der aktuellen Studie zeigte sich, dass Opfer von Bullies in der Grundschule nicht unbedingt auch später in diese Rolle gezwungen werden. "Insgesamt lässt sich sagen, dass Opfer in der Grundschule zu sein, kein Risikofaktor ist, der eine Opferrolle in der weiterführenden Schule wahrscheinlicher macht", berichtet Schäfer. "Wir haben nur sehr wenige stabile Opfer gefunden. Zumindest ältere Bullies in der Grundschule werden dagegen sehr wahrscheinlich diese Rolle beibehalten - möglicherweise weil aggressives Verhalten Teil ihrer Sozialisation und ihrer Persönlichkeit ist."


Mehr im Internet:
LMU München, Mobbingforschung
Wie Rollen sich ausbilden, scienzz 28.07.2006
Mobbing - Wikipedia


 

 

 

 

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